Ein Königreich für eine Schnecke

[Rezension] Ein Königreich für eine Schnecke – Maria Reva

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Schnecken, Scheinhochzeiten und ein Krieg: Eine Geschichte, die unter die Haut geht

Unwillige Katalogbräute, unwissende Junggesellen und ein seltener Schneckenkönig – der Angriffskrieg der Russen auf die Ukraine 2022 macht aus diesen Figuren und ihrer Autorin eine skurrile Schicksalsgemeinschaft. Ein meisterhaftes Debüt über Liebe und Verlust, über Zerstörung in vielen Facetten und die rettende Kraft des Humors.

Ein Königreich für eine Schnecke hat mich magisch angezogen. Und eines vorweg, es war fordernd. Dies auf verschiedenen Ebenen, aber dazu später mehr. Ich lernte also Jewa kennen, eine Frau, die für ihre Überzeugung und den Naturschutz, im besonderen für die Schnecken, alles gibt. Sie kümmert sich um Endlinge, also in ihrem Fall um Schneckenarten, bei denen es nur noch eine oder sehr wenige gibt. Die erste Feststellung war, es gibt noch mehr Schneckenarten als Nacktschnecken oder Weinbergschnecken – ja, ich weiß, dass das klar ist, ich wollte es nur noch mal herausstellen. Ihre Lieblingsschnecke ist Lefty, deren Haus falsch gedreht ist und die deswegen diesen Namen trägt.


Dann gibt es noch die Geschwister Nastja und Sol, die von ihrer Mutter verlassen wurden, die eine Aktivistin gegen das Hochzeitsgeschäft in der Ukraine war und einfach abgehauen ist. Die drei lernen sich bei den Veranstaltungen einer Hochzeitsagentur kennen, wobei Jewa da nur mitmacht, um ihr Labor für die Schnecken und ihr Wohnmobil zu finanzieren. Bei Nastja und Sol ist es ähnlich, man muss ja von irgendwas leben. Nastja ist da aber anders: Sie hofft immer wieder, dass ihre Mutter zurückkehrt, und als dies nicht geschieht, schmiedet sie mit Jewa den Plan, zwölf dieser brautsuchenden Männer zu entführen. Sie fragt Jewa aber nur, weil diese ein Wohnmobil zur Verfügung hat.

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Dass die drei die Männer schnell davon überzeugen mitzukommen, kann man wieder nur daraufhin zurückführen, dass die meisten Männer mit dem falschen Körperteil denken. Dass, kurz nachdem die Männer entführt wurden, der Krieg ausbricht, ist jedem klar, der die letzten Jahre verfolgt hat.


Wenn man Menschen kennt, die für etwas brennen, dann weiß man, dass diese Menschen oft unvernünftige Dinge machen. Jewa ist so eine, sie erfährt, dass es eine weitere Schnecke wie Lefty gibt, und das ausgerechnet in Cherson, mitten im Kriegsgebiet. Dass dies extrem unvernünftig ist, kann man sich vorstellen, also geht diese Reisegruppe auf die Suche nach Leftys Partnerin.

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Das Buch kommt im ersten Moment ein wenig wie eine schräge Komödie daher, aber irgendwie konnte ich nicht lachen. Da gibt es wirklich verdammt viele Themen auf 470 Seiten. Da ist zum einen diese Hochzeitsindustrie mit ihren Katalogbräuten – einfach erschreckend, was da abläuft, wie durchstrukturiert dies alles ist oder war.


Da ist diese Mutter, die gegen diese Industrie demonstriert, dann ihre eigenen Kinder mit etwas Geld alleine lässt und sich noch nicht mal meldet. Auch Monate später ruft sie nicht an oder schreibt einen Brief.


Da sind die gestellten Filme der russischen „Befreier“ – ich kann mir wirklich vorstellen, dass dies genau so abgelaufen ist oder noch immer so abläuft.


Es gibt die Gruppe Männer, die einfach nicht wahrhaben möchte, dass es diesen Krieg wirklich gibt. Und da ist dieser Kampf um die wenigen Exemplare eines Lebewesens, wobei man sieht, wie schnell manche Arten doch aussterben.


Dies alles und noch einiges mehr macht dieses Buch schwer zu lesen, aber es ließ mich nicht los: Ich wollte immer mehr wissen, was da passiert. Maria Reva und der Übersetzer Stephan Kleiner schaffen es, eine besondere Atmosphäre zu erzeugen. Wobei es manchmal wirklich schwierig ist, da Maria Reva immer wieder in die Erzählerrolle geht, auf einmal etwas aus ihrer Perspektive erklärt und man auf einmal irgendwo anders landet. Dies führt zu manchen Dingen, die einen erst irritieren und die dann immer mehr erklärt werden und dann Sinn ergeben.


Es ist wie immer bei der Kunst oder Kultur, manchmal muss es auch mal fordern, wenn man das Buch liest oder das Bild betrachtet. Mich hat es an Menschen erinnert, denen ich in den letzten Jahren aus der Ukraine begegnet bin. Oder deren Kinder ich kurz hier aufgenommen hatte, damit sie erstmal unterkommen. Ich erinnere mich auch noch daran, dass ich fragte, warum die Person, die ich kenne, nicht mitkommt, und irgendwie habe ich es durch eine Figur, die ich hier nicht genannt habe, verstanden.


Dieses Buch ist für Menschen, die das Besondere mögen, die eine wunderbare Sprache lieben und die sich nicht dadurch abschrecken lassen, wenn es nicht immer ganz stringent läuft.


Die Frage ist, was kann Literatur überhaupt leisten bei so vielen harten Themen? In meinen Augen kann Maria Reva vieles, sie kann einem etwas näher bringen, etwas in einem zum Klingen bringen, was man so nicht erwartet. Sie zeigt auf, wie wichtig es ist, für seine Ideale einzustehen. Aber auch, wie besonders das Leben sein kann, denn dieses Buch zeigt viel Menschliches und Liebe zwischen den Pappdeckeln. Und gerade dies zeigt auf, wie wichtig es ist, Kunst und Kultur zu schützen, damit wir andere Ansichten besser verstehen. Und dies macht dieses Buch aus, darum hat es mich auf so vielen unterschiedlichen Ebenen gefordert, und ich bin froh, dass ich mich darauf eingelassen habe.

Ein Königreich für eine Schnecke

Titel: Ein Königreich für eine Schnecke

Autor/In: Reva, Maria
ISBN: 978-3-423-28548-3
Verlag: dtv Verlag
Preis: 26,00 €
Erscheinungsdatum: 18. Juni 2026


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URL: https://literaturlounge.eu/?p=34259

Autor: LiteraturLounge

Name: Ein Königreich für eine Schnecke

Autor: Maria Reva

ISBN: 978-3-423-28548-3

Veröffentlichungsdatum: 2026-06-18

Format: https://schema.org/Hardcover

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