[Rezension] Wär‘ nicht das Auge sonnenhaft, … – Charles Hohmann
Charles Hohmanns literarische Miniaturen zwischen Ägypten, Geschichte und Philosophie
Klappentext:
Zwischen Tempeln, Wüsten und Denklandschaften entfaltet Charles Hohmann eine Sammlung literarischer Miniaturen, in denen Geschichte und Philosophie ineinandergreifen. Seine Figuren – Priester, Gesandte, Gelehrte – stehen an Schwellen: zwischen Ordnung und Zerfall, Wissen und Zweifel, Erinnerung und Verlust. In präziser, poetischer Sprache zeigt dieses Buch, dass Erkenntnis kein Besitz ist, sondern eine Bewegung. Ein eindringliches Werk über die Fragilität von Wahrheit – und die Kraft des Denkens.
Rezension:
Wer mich kennt, weiß, dass ich bei Selfpublishern immer etwas, wie soll ich sagen, skeptisch bin. Dies liegt nicht an den Selfpublishern per se, sondern eher daran, dass ich am Anfang meiner Tätigkeit als Literaturblogger auf die Nase gefallen bin, und ich mich noch immer über mein damaliges blindes Lesen und Akzeptieren ärgere. Ich hätte mich bei dem Buch eher darum bemühen müssen, es zu hinterfragen. Und da ich Angst habe, dass dies noch mal passiert, mache ich in der Regel einen großen Bogen um solche Autoren.
Und dann bekomme ich dieses Buch angeboten: Der Buchtitel ist ja von Goethe, und zwar aus den Zahmen Xenien, was irgendwie auch passt, denn ich wurde gleich am Anfang dazu gezwungen, nach jeder Kurzgeschichte oder nach jedem Bild, welches Charles Hohmann entworfen hat, nachzudenken.
Ich sitze auch nach dem Beenden des Buches noch immer hier und denke nach über das, was ich gelesen habe. Es ist eine Sprache, die mich immer wieder begeistert und mich anzieht. Auch die Bilder, die Charles Hohmann beschreibt, sind wirklich schön.
Man betritt die Schreibsäle im alten Ägypten, in denen es das Wissen der Moslems genauso wie das Wissen der Christen gibt. Man erlebt, wie Römer angegriffen werden und nach einem Pfeilhagel vernichtend geschlagen werden, und danach zumindest zum Teil bei Buddhisten unterkommen, die dann die Soldaten verpflegen, und dies gibt einem dieser Soldaten dann auch nebenbei immer wieder etwas zum Nachdenken.
Oder wenn man den Tempel der Isis betritt, kann man es wirklich fühlen, wie der Priester durch den Tempel schreitet. Man riecht förmlich die Luft, spürt die Wärme und dann auch wieder die Kühle.
Immer wieder kommen in den Geschichten Berühmtheiten der Weltgeschichte vor. Was mich besonders angerührt hat, war, als er Paul Klee in das Tal der Könige geschickt hat. Wie Charles Hohmann die Grabkammern beschrieben hat. Die Art, wie die Personen in den Grabkammern gemalt wurden. Oder auch wie das Blau war, das andere Verwendungen hatte als in der europäischen Kunst. Oder wie Räume dargestellt wurden. Es war so schön, dass ich am liebsten noch Stunden in den Beschreibungen des Autors verbracht hätte. Allein die Fahrt zum Tal der Könige war besonders: wie ich mit dem Autor den Nil hinuntergefahren bin in einem Flussdampfer, wie der Kapitän beschrieben wurde, wie er die Stromschnellen und die Fahrrinne erkannte oder als das Schiff sich festgefahren hatte. Eine wirklich große sprachliche Kunst.
Oder auch als Rhadamanthys im Elysion Platon, Aristoteles und Kant über Raum und Zeit hat diskutieren lassen, mit der Vorgabe, nicht zu gewinnen, sondern um das Ganze zu verstehen und auch die anderen zu verstehen. Alleine den drei Personen zuzuhören, war toll. Aber als er dann noch Einstein hinzugefügt hat, war die Diskussion noch mal auf einer anderen Ebene. Und für mich war es anstrengend, vom Thema her, den Personen zu folgen, aber es war entspannend, zu erleben, wie sie die Vorgabe von Rhadamanthys erfüllt hatten. Erstmal zuhören, den anderen ausreden lassen, Gemeinsamkeiten finden und nicht das, was uns trennt. Und dies auf einem Niveau, welches ich nie erreichen werde.
Auch die Reise von Alexander dem Großen durch die Wüste, um Alexandria zu gründen, war einfach spannend – diese zehn Tage durch die Wüste, mit einem Sandsturm, aber auch mit Regen. Den kleinen Gesprächen am Lagerfeuer zu folgen, die auch immer wieder Ängste, aber auch Zuversicht widerspiegeln. Und auch die Wertschätzung der Handwerker, Köche, Diener usw., wobei klar wird, dass die Soldaten und der König nicht ohne diese „niederen“ Menschen überleben würden.
Ich habe nun nur drei Kurzgeschichten mal etwas länger erwähnt. Aber es ist spannend, durch die Jahrhunderte zu laufen, mal nach vorne, mal zurück. Und immer wieder wird Bezug auf Ägypten genommen. Es ist spannend, was alles in Ägypten entstanden ist. Alles in dem Buch baut sich langsam auf; Charles Hohmann pflegt eine Sprache, die einfach schön ist. Dies war mir schon auf den ersten Seiten klar, aber je mehr ich gelesen habe, umso mehr habe ich zwischen den Zeilen gelesen, habe mich auch mal an einem Satz länger festgehalten. Manchmal bin ich nach einer Geschichte noch mal vor die Tür gegangen und dachte, wie schön ist diese Sprache. Wie schön ist es, dieses Land auf diese Weise kennenzulernen? Es ist wunderschön, die Bilder zu genießen, die der Autor beschreibt. „Wär‘ nicht das Auge sonnenhaft,…“ ist ein Buch, welches die Augen öffnet, neugierig macht auf andere Kulturen und einen alles auf die eine oder andere besondere Art und Weise hinterfragen lässt. Und wieder bin ich froh, dass ich mal nachgegeben habe und einem Selfpublisher zugelassen habe. Es war für mich eine besondere Reise durch Raum und Zeit und durch Ägypten, und ich hoffe sehr, dass diese Reise noch einige Menschen antreten werden.

Titel: Wär‘ nicht das Auge sonnenhaft, …
Autor/In: Hohmann, Charles
ISBN: 9783696318796
Verlag: BoD
Preis: 21,99 €
Erscheinungsdatum: 22. September 2026
Bei unseren Partnern bestellen:
Charles Hohmanns literarische Miniaturen zwischen Ägypten, Geschichte und Philosophie
Wer mich kennt, weiß, dass ich bei Selfpublishern immer etwas, wie soll ich sagen, skeptisch bin. Dies liegt nicht an den Selfpublishern per se, sondern eher daran, dass ich am Anfang meiner Tätigkeit als Literaturblogger auf die Nase gefallen bin, und ich mich noch immer über mein damaliges blindes Lesen und Akzeptieren ärgere. Ich hätte mich bei dem Buch eher darum bemühen müssen, es zu hinterfragen. Und da ich Angst habe, dass dies noch mal passiert, mache ich in der Regel einen großen Bogen um solche Autoren.
URL: https://literaturlounge.eu/?p=34319
Autor: LiteraturLounge
Name: Wär‘ nicht das Auge sonnenhaft, …
Autor: Charles Hohmann
ISBN: 9783696318796
Veröffentlichungsdatum: 2026-09-22
Format: https://schema.org/Hardcover