Nienke Jos

LITL663 [Podcast] Zwischen Gut und Böse: Die moralischen Grauzonen in "Die Einsamkeit der Schuldigen" von Nienke Jos

In dieser Episode beleuchte ich eingehend das Debütwerk „Die Einsamkeit der Schuldigen“ von Nienke Jus, das als eindringlicher Thriller einnehmende Einblicke in die Abgründe menschlicher Psyche bietet. Der Klappentext beschreibt das Buch als eine fesselnde Erzählung, die harmlose Begegnungen entfaltet und in einem Strudel aus Katastrophen gipfelt, der die Schicksale verschiedener Figuren miteinander verknüpft.

Jus gelingt es, die Charaktere mit einer bemerkenswerten Sensibilität darzustellen. Jeder von ihnen trägt eine Form von Schuld in sich, wodurch der Leser ständig mit der Frage konfrontiert wird, wie gut oder schlecht man die wahren Intentionen eines Menschen erkennen kann. Ich tauche tief in die Handlung ein, zu der unter anderem die Trainerin Junia gehört, die in einem Hotel Mountainbike-Touren anbietet. Ihre gescheiterte Beziehung zu dem Arzt T-Scan bildet den Ausgangspunkt für eine Reihe von komplexen Interaktionen, die auch die Figuren An und Thies umfassen. An, die unter der Ignoranz ihres Ehemannes leidet, verpflichtet sich zu fragwürdigen Handlungen, während Thies und seine Freunde mit einem Verbrechen konfrontiert sind, das sie zu verantworten haben.

Die Verwebung der verschiedenen Perspektiven und Gedankenwelten zeigt eindrücklich, wie jede Entscheidung und jeder Gedanke in den Kontext einer größeren moralischen Fragestellung eingebettet ist. Es wird rasch klar, dass die Protagonisten, trotz ihrer beständigen Bemühungen, im Grunde ihrer einsamen Existenz gefangen sind. Dies wird besonders deutlich bei Junia, die aufgrund ihrer unreflektierten Wahrnehmungen nicht erkennt, welch manipulative Züge Thies an den Tag legt.

Immer wieder wird die Unterscheidung zwischen gut gemeint und gut gemacht thematisiert. Diese Problematik zieht sich durch alle Charaktere und verdeutlicht, dass jeder auf seine Weise mit seinen inneren Dämonen ringt, was die Lektüre sowohl anregend als auch herausfordernd gestaltet. Ich habe häufig innehalten müssen, um über die Motivationen der Figuren nachzudenken, was den Roman äußerst schlüssig und flüssig macht, sobald man sich darauf einlässt.

Schließlich bietet „Die Einsamkeit der Schuldigen“ einen gekonnten Mix aus Faszination und Abscheu für die Leser, die psychologisch anspruchsvolle Thriller zu schätzen wissen. Es ist ein gelungenes Debüt, das zeigt, wie tief das Gefühl der Einsamkeit in den Individuen verwurzelt ist. Der Roman, der 2019 im Gemeinder Verlag veröffentlicht wurde und aktuell für 16 Euro erhältlich ist, zieht den Leser in ein eindringliches Erlebnis hinein, das noch lange nachklingen wird. Ich freue mich bereits auf die nächste Folge, könnte mir aber wünschen, dass die Fortsetzung etwas weniger emotional belastend gestaltet ist, da dies auf Dauer durchaus herausfordernd sein kann.

Dynamit in der Villa Nobel

LITL633 [Podcast-Interview] 'Riviera Express': Stephan R. Meier im Interview über den Krimi, San Remo und das italienische Lebensgefühl

In einem ausführlichen Interview auf der Buchmesse spricht der Interviewer mit Stephan R. Meier über seine neue Buchreihe „Riviera Express“, die in der malerischen Kulisse von San Remo spielt. Meier erzählt, dass die Idee für die Krimireihe in der Pandemie entstanden ist, als er ein Bedürfnis verspürte, den Lesern eine leichtere, unterhaltsame Lektüre zu bieten, die gleichzeitig humorvoll ist. Auf diese Weise wollte er eine entspannende Flucht aus den schlechten Nachrichten der Zeit schaffen. Im Gegensatz zu seinen vorherigen Werken, die eher in das Genre des Thrillers fielen, hat er sich entschieden, klassische Kriminalgeschichten mit regionalem Flair zu erzählen, die immer einen historischen Rückblick beinhalten.

Das erste Buch der Reihe, „Mord in der Villa Nobel“, spielt an einem bemerkenswerten Ort: der Villa Nobel, wo Alfred Nobel lebte und sein Testament verfasste. Meier erklärt, dass die Bekanntheit von Nobel und die Tatsache, dass kaum jemand weiß, dass er in San Remo gelebt hat, eine bewusste Wahl für den Auftakt der Serie war. Im Verlauf des Krimis wird ein Leichenfund präsentiert, der in der Tradition guter Krimis steht und die Geschichte in zwei Richtungen entfaltet. Es gibt sowohl Verbindungen zu historischen Ereignissen als auch zu aktuellen politischen und gesellschaftlichen Themen, die die Erzählung vertiefen.

Ein weiteres Thema, das das Gespräch bereichert, ist der Ort, an dem die Geschichte spielt. Der Interviewpartner hebt hervor, wie authentisch und lebendig die Kulisse von San Remo und seiner Umgebung beschrieben wird. Meier schildert, dass er für die Figur des Kommissars Thomas Gallo ein altes Fischerdorf als Wohnort gewählt hat, das der Massentourismus bislang nicht erreicht hat. Dies fügt der Geschichte eine besondere, nostalgische Note hinzu und spiegelt das italienische Lebensgefühl wider, das sich in der Reihe manifestiert.

Besonders interessant ist die Figur des Mechanikers, genannt „Benzina“, die durch ihre Lebendigkeit und Individualität besticht. Meier erläutert, dass diese Charaktere mit ihren alltäglichen Problemen und menschlichen Schwächen für die Leser Anknüpfungspunkte schaffen und das italienische Lebensgefühl lebendig machen. Meyer beschreibt die Tradition der italienischen Küche und den kulturellen Umgang mit Essen als ein zentrales Element der Erzählung, wodurch er den Leser gleichsam auf eine kulinarische Entdeckungsreise mitnimmt.

Das Interview wird auch durch die Diskussion um die Recherche, die zu den Geschichten führt, angereichert. Meier beschreibt, wie er durch intensive Internetrecherche und den Zugriff auf Zeitungsarchive tief in Alfred Nobels Geschichte eingetaucht ist. Er geht darauf ein, dass Nobel zwar als Wohltäter mit dem Nobelpreis bekannt ist, jedoch in seiner Zeit auch als „Händler des Todes“ wahrgenommen wurde, was die Komplexität seiner Figur unterstreicht. Die Themen Gewalt und die moralischen Implikationen von Erfindungen, die sowohl für das Gute als auch für das Böse genutzt werden können, bilden einen zusätzlichen Erzählstrang.

Abschließend widmet sich Meier der weiteren Entwicklung seiner Krimireihe und betont, dass insgesamt acht Bände geplant sind, wobei der zweite Band gerade veröffentlicht wurde und weitere bereits in Arbeit sind. Zudem gibt es erste Ansätze für eine Verfilmung der Buchreihe, die die Leidenschaft und die Themen seiner Geschichten auf die Leinwand bringen sollen. Meier schließt mit einem kurzen Ausblick auf seine parallel laufenden Thriller-Projekte, die auch aktuelle gesellschaftliche Themen behandeln und reflektiert über die Herausforderungen und Chancen, die das Schreiben von Thrillern in einer sich ständig verändernden Welt mit sich bringt.

Dynamit in der Villa Nobel
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[Rezension] Riviera Express – Dynamit in der Villa Nobel – Stephan R. Meier

Klappentext: Dolce Vita und Mord am Mittelmeer! Die Blumen-Riviera mit ihren palmengesäumten Stränden, dem tiefblauen Meer und der farbenprächtigen Architektur wird von einem spektakulären Mord erschüttert: Im Garten der Villa Nobel wird der leblose Körper eines stadtbekannten Rechtsanwalts gefunden – mit einer Stange Dynamit im Mund. Der neue Chef der Kripo, Commissario Tomas Gallo, nimmt…

Yasemins Kiosk

LITL587 [Podcast] Rezension: Yasemins Kiosk – Zwei Kaffee und eine Leiche - Christiane Antons

In der Rezension zu „Yasemins Kiosk: Zwei Kaffee und eine Leiche“ geht es um einen Krimi von Christiane Antons, der drei Frauen aus unterschiedlichen Generationen zusammenbringt. Im Mehrfamilienhaus in Bielefeld treffen die Vermieterin Dorothee Klasbrummel, Polizistin Nina Gruber und die Kioskbesitzerin Yasemin Novak aufeinander. Als eine Leiche im Altpapiercontainer des Kiosks gefunden wird, verbünden sich die Frauen, um auf eigene Faust zu ermitteln und sich von ihren eigenen Problemen abzulenken. Der warmherzige Krimi mit Charme und Raffinesse zeichnet sich durch gut gezeichnete Charaktere aus.

Die Protagonistinnen, Dorothea Klaßbrummel, Nina Gruber und Yasemin Novak, haben jeweils mit eigenen Herausforderungen zu kämpfen, sei es Dorotheas Abgeschiedenheit, Ninas suspendierter Status und die Pflege ihrer Mutter oder Yasemins Belästigung durch einen Stalker. Ihre ungewöhnliche Freundschaft und ihre gemeinsamen Recherchen zum Mordfall bilden den Kern der Geschichte. Die Entwicklung der Beziehungen und die Einbindung der Charaktere in die Aufklärung des Krimis sorgen für Spannung und Unterhaltung.

Die Kurzweiligkeit des Romans mit seinen 192 Seiten, in kleine Kapitel unterteilt, macht ihn sowohl für zwischendurch als auch für längere Lesesitzungen geeignet. Die sich entfaltende Dynamik und die Beteiligung aller Figuren an der Aufklärung halten die Spannung hoch und machen das Buch zu einem echten Page-Turner. Mit einer Mischung aus Humor, Spannung und einer berührenden Tiefe fesselt der Krimi und lässt die Leser*innen mit den Charakteren mitfiebern.

„Yasemins Kiosk: Zwei Kaffee und eine Leiche“ ist ein gelungener Roman, der den Leser*innen eine wohlige Wärme vermittelt und durch seine vielschichtigen Figuren überzeugt. Die Hoffnung auf weitere Abenteuer mit diesen Charakteren und die enge Bindung, die man zu ihnen aufbaut, zeigen die Qualität und den Charme des Buches. Mit einer Prise Lokalkolorit aus Bielefeld und einer fesselnden Handlung ist dieser Krimi eine Empfehlung für Leser*innen, die sich von einer mitreißenden Geschichte unterhalten lassen wollen.