Neujahrskonzert

[Neujahrskonzert] Stimmungsvoller Start ins neue Jahr

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Neujahrskonzert im Stadttheater Gießen ist schon so etwas wie ein Pflichttermin für mich und Heike. Es gibt so eine besondere Energie, die einem nur Musik geben kann. Zudem habe ich das Gefühl, dass dieses Konzert von Jahr zu Jahr noch voller wird. Wobei es nicht möglich ist, denn mehr als ausverkauft geht nun mal nicht.

Aber warum ist dies so? Man bekommt doch ein Neujahrskonzert aus Wien im Fernsehen angeboten, warum dann ins Stadttheater, und dann in Gießen?

Ich versuche nun, es euch etwas näher zu bringen, denn es gibt einige gute Gründe dafür. Da ist zum einen die Musik mit der man startet. Diesmal ging es mit Franz von Suppè und zwar der Ouvertüre zu „Ein Morgen, ein Mittag und ein Abend in Wien“ los. Da möchte ich vor allem Attila Hündöl erwähnen. Ich liebe so oder so sein Spiel am Violoncello, aber diese kleinen Passagen, in denen er solistisch etwas zum Besten gegeben hat, mit wie viel Gefühl und Hingabe er gespielt hat, waren einfach schon fast zum Niederknien.

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Dann ist da Andreas Schüller, der Generalmusikdirektor und Dirigent. Er ist einfach ein Entertainer, so wie er diesen Abend moderierte. Mit einer Leichtigkeit erzählte er etwas über Franz von Suppè und schwenkte dann über zur Fledermaus und zwar zum Csàrdàs der Rosalinde „Klänge der Heimat“ von Johann Strauß Sohn. Er erklärt da so ganz nebenbei etwas über die Beziehungen zwischen Ungarn und Österreich und den musikalischen Einflüssen und man muss grinsen, aber man lernt so ganz nebenbei noch etwas.

Dass dann Julia Araújo den Csàrdàs singt, und vom Philharmonischen Orchester begleitet wird, macht das Ganze noch runder. Es ist einfach ein Genuss diese kraftvolle Stimme zusammen mit dem Orchester zu hören. Wobei, und dies lag vielleicht an meinem Sitzplatz, ich Julia Araújo stellenweise etwas zu präsent empfunden habe. Nicht ich ihre Stimme nicht gerne höre, aber sie schafft es wirklich mit ihrer Stimme und Klarheit, ein wenig stärker als das Orchester zu sein. Aber dies ist wie so oft Meckern auf verdammt hohem Niveau.

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Weiter ging es mit Marche hongroise aus „La damnation de Faust“. Ich finde, dieses Stück hat so eine Kraft und eine Harmonie, dass ich wirklich Hector Berlioz zurufen möchte, dass ich es toll finde, wie er dieses Stück der Nachwelt erhalten hat.

Franz von Suppè lieferte ja schon das erste Stück des Abends, aber dieses nun folgende Tongemälde “Sieg der österreichischen Volkshymne“ op. 45 ist einfach toll. Dass die Melodie unserer Deutschen Nationalhymne ihren Ursprung in einem kroatischen Volkslied aus dem österreichischen Burgenland hat, war mir vor diesem Abend und dem Musikgeschichtsunterricht von Andreas Schüller überhaupt nicht bekannt. Dieses Gemälde, welches Suppè gezeichnet hat mit der Hymne „Gott erhalte Franz den Kaiser“ – es ist einfach ein Gesamtkunstwerk.

Emmerich Kàlmàn steuerte die Arie des Tassilo „Wenn es Abend wird“ aus der Operette „Gräfin Mariza“ bei. Diesmal hat Michael Ha die Arie gesungen. Ich find ihn ja schon länger gut, aber diese Wärme in seiner Stimme heute bei der Arie, war einfach Wahnsinn. Man hat dieses Gefühl der Arie, diese Einsamkeit und dieses Heimweh, mit jeder Note einfach gespürt.

Schon zur Pause war klar, dass ist einfach eine Einheit, die da vor einem sitzt. Wie hat es Heike auf den Punkt gebracht? Sehr gute Musiker waren sie schon immer, aber nun spielen sie zusammen als eine Einheit in voller Harmonie. Ich würde sagen, wie ein Körper, ein nahezu perfekter Klangkörper, mit einem Dirigenten, der dieses Orchester einfach richtig gut führt.

Es ist einfach Wahnsinn und diese zwanzig Minuten Pause, sind für den Zuhörer nötig, um das Ganze zu verarbeiten aber auch für die Musiker, damit sie sich erholen. Es mag einfach klingen, aber viele Dinge, die einfach klingen, sind kompliziert und schwierig. Das ist nicht nur im musikalischen Bereich so, sondern in vielen Ebenen der Kultur, und vor allem in der Musik.

Während der Pause konnte man sich im Foyer ein Bild ansehen, welches von einem Künstler des Stadttheaters gemalt wurde und die Moldau als Thema hat. Es war als Bühnenbild Bestanteil einer Konzertaufführung von Smetanas Moldau für Kinder ab vier Jahren. Dieses Kinderkonzert war der absolute Knaller. Heike war mit ihrer Blockflötengruppe da und die Kinder waren genauso beeindruckt wie sie. Auch diese Veranstaltungen sind extrem empfehlenswert. Eben diese Zeichnung von der Moldau sollte nach der Pause zu Gunsten der Jugendwerkstatt Gießen versteigert werden, welche ja im letztem Jahr einem Brand zum Opfer gefallen ist. Ich finde, das ist eine gute Sache, da wir alle von Einrichtungen wie die Jugendwerkstatt profitieren können. Dort wurden auch schon Möbelstücke für das Stadttheater hergestellt.

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Gestartet wurde nach der Pause mit Johann Strauß Sohn und der Ouvertüre zu „Der Zigeunerbaron“ wobei mir da besonders die Klarinetten im Ohr geblieben sind. Irgendwie habe ich es momentan mit den Klarinetten und Flöten, denn ich mag diesen Klang und diese Instrumente immer mehr. Warum dies so ist? Ich glaube, es ist diese Zartheit, aber auch diese Klangfarbe in bestimmten klassischen Stücken.

Danach kamen die Ungarischen Tänze von Johannes Brahms für Orchester. Andreas Schüller erklärte, dass sie erst für Klavier geschrieben, und dann nach deren Erfolg für Orchester arrangiert wurden. Das besondere war, dass sie für 4 Hände geschrieben wurden, wodurch ja mehr Noten in kurzer Zeit spielbar wurden. Das klang besonders schwierig, war aber für den einzelnen Pianisten nicht ganz so komplex, wie der Zuhörer dachte, unter anderem deswegen waren diese Tänze damals so populär. Teilweise wurde aber auch über Kreuz gespielt und das ist dann schon wieder nicht mehr ganz so einfach. Und da sind wir wieder bei dem schwierig zu spielenden, was diesmal gar nicht so unbedingt der Fall war, sondern es klang nur schwierig und das einfache kann schwierig sein. Generell haben diese Tänze ein flottes Tempo und somit haben die Finger der Musiker auch einiges zu tun, egal ob in der Klavier- oder Orchesterversion.

Dass das Bild danach für über 300 € ersteigert wurde, ist aller Ehren wert und hat sicherlich auch viel mit dem Humor und der Art von Herrn Schüller zu tun, der diese Auktion leitete.

Ein besonderer Genuss war dann das Duett zwischen Sylvia und Edwin „Tanzen möcht‘ ich“ aus „Die Csàrdàsfürstin“ von Emmerich Kàlmàn, denn diesmal waren Julia Araújo und Michael Ha auf der Bühne und haben dieses gefühlvolle Stück gesungen. Ein Duett zwischen den beiden im Zusammenspiel mit diesen Musikern ist einfach ein Gänsehautmoment für mich gewesen.

Wobei auch die Ungarische Rhapsodie Nr. 2 cis-Moll von Franz Liszt so ein Moment war. Danach standen große Teile des Theaters und applaudierten. Dies veranlasste die Musiker noch zu der einen Zugabe, auf die wohl jeder gewartet hatte und zwar „An der schönen blauen Donau“ von Johann Strauß Sohn. Dass das Konzert dann noch immer nicht zu Ende war, kann man sich denken, aber da es noch ein zweites Neujahrskonzert gibt, will ich dies nun nicht hier hineinschreiben, denn es soll ja auch noch eine Überraschung für das Publikum bleiben.

Ich hatte ja am Anfang die Frage in den Raum gestellt, warum man zu so einem Konzert live gehen sollte, und zwar nicht nur bei einem Neujahrskonzert, sondern allgemein. Zum einen freut sich jeder Künstler über eine ausverkaufte Vorstellung, und da ist es vollkommen egal, was es ist. Aber wisst ihr wie das klingt, wenn man in so einem Konzert sitzt, ein Klassisches im Besonderen? Da hat jeder Musiker so seinen Part und mag er noch so klein sein. Es hat so etwas Besonderes, dies in einem Theater oder Konzertsaal zu erleben, zu sehen und zu fühlen. Man sieht, welche Freude diese Musiker daran haben. Diese Hingabe, dieses Lächeln, wenn eine bestimmte Stelle besonders gut gelungen ist, kann man nur live erleben. Da kommt kein Full HD Live Streaming Veranstaltung mit.

Man kann sich auf ein besonderes Instrument konzentrieren und kann es besonders erleben. Dies kann man zuhause am Fernseher eher weniger. Es ist etwas Beglückendes dabei. Ich gehe nun mit einem anderen Gefühl in das neue Jahr. Ich fühle mich beschwingt und gut gelaunt. Es ist etwas, was ich früher nicht sehen wollte, oder konnte, was die Klassische Musik ausmacht. Es ist etwas Verbindendes und dies erlebe ich nur, wenn ich direkt vor Ort bin. Dieser Klangkörper, diese Wärme in jeder Minute kann einem nur die Musik geben und ich bin zu 100% der Meinung, dass jedes Konzert anders klingt, da sind die Musiker, da ist der Platz, auf dem man sitzt, da sind die Nachbarn, die neben einem sitzen und mit denen man ins Gespräch kommt, oder auch nicht, dies alles beeinflusst das Erlebnis und das hat man nur live. Es hat immer etwas Besonderes, wie man ein Konzert im Theater erlebt und was man fühlt, weswegen ich auch den Jüngeren immer wieder zurufen möchte, geht ins Theater, geht in ein Neujahrskonzert, versucht es mal. Ihr werdet nicht enttäuscht, vor allem nicht, wenn ihr nach Gießen geht. Lasst euch einfach darauf ein, fühlt und erlebt es. Es ist jeden € wert! Verlasst einfach mal eure Pfade, so wie ich es vor Jahren gemacht habe und ich weiß, dass ich immer wieder nachhause kommen möchte in mein kleines Theater und diese Musiker erleben möchte. Denn nur dann habe ich einen perfekten Start ins neue Jahr, und vielleicht du nun auch im nächsten Jahr, oder bei einem der Konzerte des Philharmonischen Orchesters Gießen. Ich bin mir sicher, dass es sich lohnen wird. Heute waren es fast drei Stunden Musik auf einem verdammt hohen Niveau, nach denen man den Musikern auf der Bühne die Erschöpfung und das Lachen im Gesicht und Augen ablesen konnte, genauso wie den Menschen im Zuschauerraum und da war es egal, ob es nun alte oder junge Menschen waren. Und das ist doch verdammt viel und viel zu selten. Und dies passiert vor dem Fernseher doch noch seltener, oder?

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