Bluthunde

[Rezension] Bluthunde – Michael Jensen

Ein fesselnder Krimi über die Brüder Sass, die Berliner Unterwelt und den gefährlichen Aufstieg der Nazis in der Weimarer Republik.

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Der spektakulärste Coup von Berlin.

Sommer, Ende der 1920er Jahre: die beste Zeit der Weimarer Republik. Für die Sass-Brüder und ihr Syndicat wird das Pflaster in Berlin jedoch allmählich zu heiß. Zu sehr sind sie ins Visier der Behörden geraten. Franz Sass plant einen letzten großen Coup: In einem der Tresore der Commerz- und Disconto-Bank sollen eine Million Reichsmark aus illegalen Wahlkampfspenden liegen. Mit dieser Beute hätten die Brüder endgültig ausgesorgt. Doch mit dieser Aktion legen sie sich mit einem höchst gefährlichen Feind an: Joseph Goebbels.

Das grandiose Finale der Syndicat-Reihe

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Manchmal stolpert man über Bücher, die einen wirklich bewegen. Ich wollte mal wieder einen schönen Geschichtskrimi lesen. Und der Titel Bluthunde lockte mich auch irgendwie an.

Ich startete also in das letzte Buch der Syndicat-Reihe um die Brüder Sass

Ich begab mich in die Weimarer Republik, nach Berlin in das Jahr 1928. Berlin ist eine pulsierende Stadt und ich befinde mich mitten in den letzten Planungen der Brüder Sass, die die Reichsbahn ausrauben wollen. Dass der Raub dann schief ging ist belegt. Aber wie Michael Jensen es beschreibt, ist schon alleine das Geld für das Buch wert. Wie lange sie an dem Bruch gearbeitet haben, wie sie ihr Werkzeug in das Areal der Reichsbahn bekommen haben und warum es dann schiefgegangen ist, ist einfach schön zu lesen.

Dass sie dann von Kriminalsekretär Max Fabich geschnappt wurden und dann wieder frei gelassen wurden, da sich der Beweis in Form vom Werkzeug der Brüder in Luft auflöste, war schön zu lesen. Die beiden wollten danach nie wieder einen großen Bruch machen und sich nur noch auf kleinere Diebstähle verlegen.

Fabich hatte sich in dem Buch aber noch ein anderes Ei ins Nest gelegt. Bei der Beschattung von Pohlmann, einem hochrangigen Mitglied der Regierung, der in diesem Roman im Verkehrsministerium arbeitete, aber mit einer Formel für einen besseren Straßenbelag Geld machen wollte, ging so einiges schief. Er traf sich mit den Nazis nachts im Park. Fabich war ihm auf den Fersen und landete aus Versehen im Morast um den See im Park und konnte den Mord an Pohlmann nicht verhindern. Ganz ehrlich, da tat mir der Kriminalsekretär wirklich sehr leid, denn seine Kollegen machten sich deswegen über ihn lustig.

Der Fall wird aber weiter gegeben an Paul Konter, der auch mit den Sass-Brüdern gut bekannt ist. Er ist mit deren Tante zusammen und somit in die „Geschäfte“ der Familie Sass und ihrem Ringverein, das Syndicat, eingeweiht. Wobei die Berliner Ringvereine, die wohl alle Dreck am Stecken hatten, alle langsam ihr Geld in legale Geschäfte stecken.

Zumindest in dem Buch helfen die Brüder Sass der Polizei und stehlen die Formel für den Straßenbelag bei der Frau des toten Politikers. Goebbels war davon nicht gerade begeistert, da die Formel für Krupp bestimmt war. Wie dann der Mord an dem Politiker Pohlmann gelöst wird, ist einfach spannend zu lesen.

Es ist sehr spannend zu lesen, wie Goebbels und die Nazis Druck aufbauten und mit Gewalt ans Ziel kommen wollten. Was das ganze so spannend macht, ist das Michael Jensen die Geschichte, die er erzählt, immer wieder mit realen Figuren würzt. So das man das Gefühl bekommt, es hätte sich vielleicht genau so zugetragen haben können.

Es sind nicht nur die bekannten Figuren wie die Brüder Sass, Goebbels oder Fabich, sondern auch einige kleinere Figuren der Nazis in Berlin. Auch die Tatsache, dass auch Goebbels mal mit dem Rücken an der Wand stand, da er am Anfang nicht den gewünschten Erfolg in Berlin hatte, vermittelt eine ausgesprochene Authentizität.

Je mehr ich mich dann einlas, umso mehr stellte ich fest, dass es am Anfang wirklich nicht klar war, dass die Nazis an die Macht kommen. Aber ich finde erschreckender Weise immer mehr Parallelen zu der heutigen Zeit. Wie z.B. die NSDAP sich gemäßigter zeigte, so wie es auch heute die AfD macht.

Ja ich weiß, dass da auch immer wieder Fiktion dabei ist bei dem Buch. Es ist ja ein Roman. Es macht aber auf mich den Eindruck, als ob der Autor akribisch recherchiert hat. Ob nun die Brüder Sass Goebbels wirklich bestohlen haben oder nicht, dass ist nicht klar. Aber das da etwas passiert sein muss ist auch klar, denn die Brüder Sass wurden auf der Überführung zum KZ Sachsenhausen erschossen. Im Totenschein steht: „Auf Befehl des Führers erschossen.“ Das bedeutet für mich, dass da etwas vorher passiert sein muss und die beiden Brüder nicht nur „normale“ Panzerknacker waren, sondern dass da etwas vorgefallen sein muss.

Für mich ist es ein toller Krimi, der es schafft Fiktion mit Geschichte richtig gut zu verbinden. Mich ärgert es sehr, dass ich nicht vorher auf diese Serie gestoßen bin und ich bin wirklich am Überlegen, ob ich mir die anderen Bände auch noch zulege. Denn ich würde gerne mehr über die Berliner Ringvereine, die Brüder Sass und die Polizeiarbeit in der Weimarer Republik erfahren und noch ein wenig mehr in das Lebensgefühl dieser Zeit literarisch eintauchen. Aber man kann diesen Krimi auch gerne alleine stehen lassen, da man wirklich gut in die Story eintauchen kann und zumindest ich mich sehr wohl gefühlt habe in der Art und Weise wie das Buch aufgebaut ist.

Bluthunde

Titel: Bluthunde

Autor/In: Jensen, Michael
Band: 5
ISBN: 978-3-7466-4175-1
Verlag: Aufbau Verlag
Preis: 14,00€
Erscheinungsdatum: 15. Juli 2025

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Manchmal stolpert man über Bücher, die einen wirklich bewegen. Ich wollte mal wieder einen schönen Geschichtskrimi lesen. Und der Titel Bluthunde lockte mich auch irgendwie an.

URL: https://literaturlounge.eu/?p=30263

Autor: LiteraturLounge

Name: Bluthunde

Autor: Michael Jensen

ISBN: 978-3-7466-4175-1

Veröffentlichungsdatum: 2025-07-15

Format: https://schema.org/Paperback

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