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  • LITL795 [Interview] Zwischen Klang und Stille: Ingrid Kloser über das japanische „Ma“

    Im Interview zwischen Markus Eggert von der LiteraturLounge.eu und der Autorin Ingrid Kloser wird das neu erschienene Buch „Regentropfen fallen langsam“ ausführlich diskutiert. Der Gesprächspartner Eggert beginnt mit einer Analyse des Klappentextes, der darauf hinweist, dass die Protagonistin Nina ihre Stimme verloren habe, während Kloser klarstellt, dass Nina in Wirklichkeit auf der Suche nach ihrer Stimme ist. Diese Differenzierung führt zu einer tiefen Auseinandersetzung mit dem zentralen Thema des Buches: der spirituellen und künstlerischen Reise, die Nina unternimmt, um ihr wahres Selbst und ihre ureigene Stimme zu finden.

    Kloser beschreibt, wie die Idee für „Regentropfen fallen langsam“ zuerst aus der Faszination für das japanische Konzept des „Ma“ entstand, einem Begriff, der die Leere oder den Raum beschreibt, der uns umgibt. Diese kulturellen Betrachtungen fließen in Ninas Entwicklung ein, während sie ihren Platz und ihre Stimme in der Musikwelt sucht. Eggert hebt hervor, dass die Reise Ninas nicht nur musikalisch, sondern auch emotional und existenziell ist, da sie versucht, sich von den Einschränkungen ihrer Vergangenheit zu befreien und ihre Identität zu finden.

    Ein zentraler Punkt des Gesprächs ist die Rolle von Ninas Mentoren, wie Eva und Marc. Kloser erklärt, dass Eva eine besonders traditionelle Gesangslehrerin ist, die Ninas Talente zwar fördert, aber auch deren Grenzen betont. In Kontrast dazu ermutigt Marc Nina dazu, ihre Stimme auf neue, unkonventionelle Weise zu entdecken, was zu einem entscheidenden Moment führt, als sie unter einem Wasserfall singt. Diese Erfahrung symbolisiert für sie die Entdeckung ihrer wahren Stimme und des Selbstvertrauens, das sie zuvor vermisst hatte. Eggert kommentiert, dass diese Momente der Kreativität und des Ausbruchs für alle Menschen eine wichtige Einsicht enthalten: Oft können wir mehr, als wir uns zutrauen.

    Das Gespräch durchdringt die tiefere Thematik des Vertrauens in sich selbst und die eigene Stimme, was nicht nur für Nina, sondern auch für die Zuhörer von Bedeutung ist. Kloser reflektiert, dass die Suche nach der ureigenen Stimme eng mit der eigenen Identität verknüpft ist. Sie erläutert, dass Ninas drei unterschiedlichen Stimmlagen – Sopran, Mezzosopran und Alt – stellvertretend für ihre Reise stehen, um ihre innere Stärke und Vielfalt zu erkennen. Kloser hebt hervor, dass diese Transformation kein einfacher Prozess ist und oft mit Schwierigkeiten und Rückschlägen einhergeht, was sie durch Ninas Wechsel zur Kneipenarbeit unterstreicht, die Nina eine neue Perspektive auf ihr Leben gibt.

    Zusätzlich wird die Bedeutung der Beziehungen zwischen Nina und weiteren Charakteren wie ihrem Bruder und Juko erörtert, deren Einfluss auf Ninas Wachstum nicht zu unterschätzen ist. Diese Verknüpfungen zwischen den Figuren schaffen eine starke emotionale Basis für Ninas Entwicklungsweg, der durch verschiedene Herausforderungen und Erkenntnisse gekennzeichnet ist. Kloser schildert, wie Nina durch diese Beziehungen nicht nur Freundschaften aufbaut, sondern auch lernt, sich selbst besser zu verstehen und zu akzeptieren.

    Während des letzten Teils des Interviews kommt das Gespräch auf Klosers Schreibprozess und deren Erfahrungen im Umgang mit Lektoren. Kloser betont, wie wichtig der Austausch mit ihrer Lektorin war, um die Struktur und Klarheit ihrer Erzählung zu verbessern. Sie spricht über die Herausforderungen, die sie beim Schreiben hatte, insbesondere wenn es um Ninas Entwicklung und die Entscheidung ging, Marc als Charakter ins Spiel zu bringen. Der Dialog zeigt, wie Kloser durch ihre Figuren und deren Konflikte eine tiefere Verbindung zur Thematik herstellt und Neuland betritt, indem sie von ihren eigenen Erfahrungen inspiriert.

    Abschließend unterstreicht Eggert, wie bewegend und fesselnd „Regentropfen fallen langsam“ ist und dass das Buch eine universelle Botschaft über Selbstfindung und die Entfaltung des eigenen Potentials transportiert. Kloser bedankt sich für die positiven Rückmeldungen und reflektiert, dass der Prozess des Schreibens selbst ein offener und dynamischer ist, der fortwährend neue Themen und Ideen hervorbringt. Die Diskussion endet, ohne konkrete zukünftige Projekte zu enthüllen, was den Zuhörern Raum für Spekulation und Neugier auf mögliche zukünftige Werke lässt.

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  • LITL768 [Podcast] Eva-Isabel Schmid: ‚Paracelsus – Auf der Suche nach der unsterblichen Seele‘ – Ein historischer Thriller zwischen Wissenschaft und Ketzerei

    In dieser Episode widme ich mich der Rezension des Buches „Paracelsus – Auf der Suche nach der unsterblichen Seele“, geschrieben von Eva-Isabel Schmid. Wir begeben uns in das Basel des Spätsommers, eine Stadt an der Schwelle zur Renaissance, wo der junge Medizinstudent Paracelsus zusammen mit seinem Freund Kasper eine Sondergenehmigung von der katholischen Kirche erhält, um Leichensektionen durchzuführen. Ihr Ziel: den wissenschaftlichen Beweis der Existenz der menschlichen Seele.

    Die spannende Erzählung nimmt eine dramatische Wendung, als ein neuer Bischof an die Macht gelangt und die beiden Freunde der Ketzerei beschuldigt werden. Ihre ehrgeizige Forschung wird verboten und während Kasper sich der Medizin widmet, zieht es den unerschütterlichen Paracelsus in die Welt des Okkultismus. Die Handlung entfaltet sich zwischen Inquisition, politischen Intrigen und einem aufkommenden Bürgerkrieg, was die Freundschaft der beiden Protagonisten auf eine harte Probe stellt.

    Das Buch zeichnet das Bild eines weiterdenkenden Arztes, der über die Grenzen seiner Zeit hinausblickt. Mit jeder Seite wird klarer, dass Paracelsus nicht bloß ein Heiler, sondern ein Visionär war. Das setting in Basel, zu einer Zeit des Umbruchs, liefert den perfekten Hintergrund für ihre Suche nach der menschlichen Seele, die zugleich von der katholischen Kirche als hochriskant angesehen wird. Der Dekan Jakob Göttisheim spielt hierbei eine Schlüsselrolle, da er die beiden schützt, aufgrund seiner persönlichen Verbindung zu Paracelsus und Kasper.

    Besondere Spannung entsteht durch die Begegnungen von Paracelsus mit okkulten Figuren, die den Kontakt zu einem Wesen namens Astaroth herzustellen versuchen. Dies geschieht in gruseligen Settings, gezeichnet von Beschwörungsriten, die eine unheimliche Atmosphäre schaffen. Die Erzählung wird weiter angereichert durch die Konflikte mit dem neuen Fürstbischof, der seine eigene Agenda verfolgt und die Inquisition zu seinen Gunsten nutzt.

    Mit einer Vielzahl von Charakteren, von schillernden Persönlichkeiten bis hin zu schurkischen Figuren, bietet das Buch eine dichte Handlung voller Atmosphäre. Die liebevollen Details über das spätere Mittelalter in Basel, die Zünfte, den Adel und die Anfänge der Reformation beleben die Seiten. Besonders hervorzuheben ist die Liebesgeschichte, inszeniert durch Margarete und den gedemütigten Adeligen.

    Schließlich kommt das Buch zu einem spannenden Cliffhanger, der den Wunsch nach einer Fortsetzung weckt. Eva-Isabel Schmidt zeichnet mit ihrem ersten Werk ein kraftvolles Bild der Zeit und zieht den Leser in eine faszinierende Welt, in der wissenschaftliche Neugier und das Streben nach Erkenntnis auf tief verwurzelte religiöse Überzeugungen treffen. „Paracelsus – Auf der Suche nach der unsterblichen Seele“ ist ein empfehlenswerter Roman für alle, die sich für historische Erzählungen und medizinische Themen begeistern. Erhältlich beim Pieper Verlag, ist dieses Werk eine Gedichtsammlung, die in jeder Buchhandlung als E-Book zum Preis von 7,99 Euro erhältlich ist.

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