Edition Roter Drache

  • LITL781 [Buchrezension] Geheimnisse unter dem Walnussbaum – Theresa Hannigs „König und Meister“

    In dieser Episode werfen wir einen tiefen Blick auf das Buch „König und Meister“ von Theresa Hannig, das uns in eine fesselnde Welt voller Geheimnisse und unerwarteter Wendungen entführt. Die Geschichte folgt Ada König, die nach einem verheerenden Autounfall auf der Suche nach der Wahrheit über die vergangenen Ereignisse ist. Ihr Vater, der bei diesem Unfall schwer verletzt wurde, wollte ihr kurz vor dem Chaos etwas Wichtiges mitteilen, das Ada nun unbedingt herausfinden möchte. Diese Suche nach der Wahrheit wird durch mysteriöse Erscheinen eines verbrannten Mannes begleitet, der Ada nicht nur verfolgt, sondern ihr auch Aufgaben überträgt.

    Das Buch entfaltet sich in einem atmosphärischen Rahmen, in dem die Protagonistin in das Haus ihres Vaters zurückkehrt, um sich mit den Schatten ihrer Vergangenheit auseinanderzusetzen. Der eindrucksvoll gewachsene Walnussbaum, der den Garten ihrer Kindheit dominiert, wird schnell zu einem Symbol für die Geheimnisse, die sich um die Familie ranken. Ada muss sich nicht nur mit ihren eigenen Ängsten und Fragen auseinandersetzen, sondern auch mit der düsteren Vergangenheit ihres Vaters, die sich in Formen von Erinnerungen und Träumen offenbart.

    Besonders interessant wird die Dynamik zwischen Ada und dem mysteriösen Bettler Elvis, der sich als Soziologiestudent entpuppt und mit dem Ada eine ungewöhnliche Freundschaft entwickelt. Die Figur der alten Frau Else fügt dem narrativen Gefüge eine weitere Schicht hinzu, ihre skurrilen Gedanken bieten sowohl humorvolle als auch nachdenkliche Einsichten, während Ada zunehmend in die verworrene Geschichte ihrer Familie eintaucht.

    Die Autorin Theresa Hannig versteht es, vielschichtige Charaktere zu kreieren, die eine faszinierende Erzählung bilden. Der Leser wird mit der Frage konfrontiert, wie gut wir wirklich unsere Liebsten kennen und welche Geheimnisse in jeder Familie schlummern. Hannig schafft es, das Genre mit Elementen des Mystery und Thrillers kreativ zu verknüpfen, auch wenn die Handlung nicht immer die gewünschten Spannungshöhen erreicht.

    Trotz einer soliden Erzählstruktur hätte ich mir in einigen Passagen etwas mehr Tiefe gewünscht, besonders im Hinblick auf die Rolle des verbrannten Mannes und die Geheimnisse des Meisters. Dennoch bleibt „König und Meister“ ein fesselndes Werk, das dem Leser die Möglichkeit gibt, über die dunklen Seiten des menschlichen Lebens nachzudenken. Ich bin schon gespannt auf Theresa Hannigs nächste literarische Entdeckung und hoffe, dass wir beim nächsten Mal noch tiefer in die Geheimnisse eintauchen dürfen, die sie zu erzählen hat. Der Roman ist 2021 in der Edition Roter Drache erschienen und kann für 15 Euro erworben werden.

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  • LITL011 [Interview-Podcast] über das Buch: König und Meister mit Theresa Hannig

    Im Interview zwischen Markus Eggert und Theresa Hannig geht es hauptsächlich um die Veröffentlichung von Hannigs neuestem Buch „König und Meister“. Eggert und Hannig beziehen sich auf die Entwicklung des Buches und die Entscheidung, einen Mystery-Thriller zu schreiben, was für Hannig etwas überraschend war, da sie sich mehr als Geschichtenerzählerin sieht. Sie erklärt, dass Geschichten oft von selbst ihre Form finden und dass es bei „König und Meister“ Elemente gab, die eine größere Spannung und Geheimnis um die Handlung erforderten. Das Feedback, das sie auf das Buch erhalten hat, war durchwachsen; einige Leser fanden es zu mysteriös oder zu Thriller mäßig, was Hannig als positives Zeichen deutet, da es anscheinend gelungen ist, eine Balance zu finden.

    Ein zentrales Thema des Gesprächs sind die Charaktere in Hannigs Buch. Eggert hebt hervor, dass er gerne mehr von einer bestimmten Figur, dem verbrannten Mann, erfahren hätte, während Hannig erklärt, wie dieser Charakter und andere, wie die Else, zur Geschichte gekommen sind. Sie zeigt sich begeistert über das positive Feedback zu den Figuren und beschreibt ihre intensive Zusammenarbeit mit ihrer Dramaturgin, Christina Schmiedl, bei der Entwicklung dieser Charaktere. Ein wichtiger Aspekt ihrer Arbeit ist, dass sie jedes Detail über die Figuren ausarbeitet, um sicherzustellen, dass sie sowohl äußerlich als auch innerlich authentisch und rund sind.

    Ein weiterer Diskussionspunkt ist der persönliche Hintergrund, den Hannig in die Figuren einfließen lässt. Sie schildert, dass sie oft persönliche Erlebnisse und Erinnerungen in ihre Geschichten integriert, dabei aber darauf achten muss, eine Balance zwischen Fiktion und Realität zu finden. Bei der Figurenausarbeitung gibt Hannig an, dass es wichtig ist, die Motivationen und Ängste der Charaktere zu verstehen, um ihre Handlungen nachvollziehbar zu gestalten.

    Das Interview behandelt auch tiefere Themen, die in „König und Meister“ angesprochen werden, wie Schuld und die Dynamik innerhalb von Familien. Hannig reflektiert über ihre eigene Familie und zieht Parallelen zu den Charakteren im Buch. Sie erläutert, dass selbst in den einfachsten familiären Beziehungen Missverständnisse und unausgesprochene Konflikte existieren können. Dieses Thema findet seinen Höhepunkt in der Frage, wie individuelle Perspektiven die Wahrnehmung von Ereignissen und die damit verbundenen Schuldzuweisungen beeinflussen.

    Zusätzlich berührt das Gespräch den Verlag, bei dem Hannig „König und Meister“ veröffentlicht hat, die Edition Roter Drache. Sie beschreibt die positive Erfahrung, die sie mit dem Verlag gemacht hat, der viel Wert auf Details und die Betreuung von Autoren legt. Diese positive Beziehung zu ihrem Verlag wird als eine wichtige Ressource für kreative Freiheit und Zusammenarbeit betrachtet.

    Am Ende des Gesprächs reflektieren Eggert und Hannig über persönliche Erfahrungen während der COVID-19-Pandemie und die Bedeutung menschlicher Kontakte und sozialer Interaktionen. Beide äußern den Wunsch, dass zukünftige Begegnungen wieder stattfinden können, und bekräftigen eine optimistische Sicht auf die Zeit nach der Pandemie. Der Austausch endet mit der Überzeugung, dass trotz der Herausforderungen, die mit der Pandemie verbunden waren, auch eine Chance für Wachstum und Verbesserung besteht.

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