Der Staat gegen Fritz Bauer

[Theater] Der Staat gegen Fritz Bauer oder wie wir uns gegen Rechts Positionieren müssen!

Heute war es das letzte Theaterstück dieser Spielzeit. Es kommt vielleicht noch ein wenig Sinfoniekonzerte und ein Chorkonzert, aber ich merke, es nähert sich das Ende dieser Spielzeit.

Und was ist dies denn bitte für ein geniales Theaterstück? Es geht um Fritz Bauer, der Generalstaatsanwalt in Hessen war und der unter anderem Adolf Eichmann in Frankfurt vor Gericht bringen wollte. Genau um diesen Fall geht es in diesem Stück. Da gibt es Menschen, die beim BKA sitzen, und anstatt dem Generalstaatsanwalt zu helfen, ihm Knüppel zwischen die Beine werfen, im besonderen Paul Gebhardt, der von Carolin Weber gespielt wurde und Ulrich Kreidler, der von Nils Eric Müller gespielt wurde. Ganz ehrlich, diesen beiden Menschen (nicht den Schauspielern) hätte ich am liebsten irgendwas gegen den Kopf geknallt. Die anderen beiden Staatsanwälte, da war ich mir nicht so sicher, auf welcher Seite die nun genau standen. Diese waren zum einen Staatsanwalt Kügler, gespielt von Germaine Sollberger, und Staatsanwalt Vogel, dargestellt von Amina Eisner.

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Auf der Seite von Fritz Bauer, der von Roman Kurtz gespielt wurde, standen der Staatsanwalt Angermann, gespielt von Davíd Gaviria, und Georg August Zinn, der damalige Hessische Ministerpräsident, gespielt von der Schauspielerin Anne-Elise Minetti.

Es fing wie perfekt an. Die Einführung wurde von Tim Kahn gehalten. Ich hatte mit ihm ja schon mal eine Einführung, da war er mir in dem Moment zu technisch. Doch diesmal war alles anders. Als er anfing merkte ich schon, dieses Theaterstück ist dein Stück. Als er seinen Vortrag beendete dachte ich, wie schon vorbei?

Das Stück fängt mehr oder weniger mit einer Werbung für Persil an, bei der allerdings die Menschen weißgewaschen wurden. Mich würde interessieren, ob dies vielleicht die Original Werbung aus den 50er Jahren war?

Es ist einfach witzig. Man muss einfach lachen, wenn die Schauspieler da wie Pinguine watscheln, dazu der Text und die Musik. Alleine dafür lohnt sich schon das dabei sein.

Dazu der Generalstaatsanwalt, der vorne in der Badewanne liegt und wo man denkt, er habe versucht sich selbst zu töten. Wobei er dann auch sagt, als er bei seinem Freund und Vorgesetzten Georg August Zinn war, dass wenn er dies hätte machen wollen, er ja eine Pistole habe und er momentan ohne Chemie nicht schlafen könne. Dies war für mich bezeichnend, wie sehr ihn sein Job mitgenommen hat.

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Die Freundschaft zwischen Fritz Bauer und Karl Angermann entstand erst später. Zum einen, da Karl Angermann ihn hat auch schützen wollen, zum anderen als es um den § 175 ging, wo es um „unnatürliche“ sexuelle Handlungen zwischen Männern geht. Angermann wurde von Fritz Bauer auf ein Urteil in Hamburg aufmerksam gemacht. Im Übrigen, diesen § 175 gab es noch bis 1994 in der Bundesrepublik, wenn auch ab 1973 in abgeschwächter Form, aber es gab ihn noch und ganz ehrlich, ich bin mir sicher, dass es auch im Tierreich Liebe zwischen Männern bzw. Frauen gibt. Ist aber auch vollkommen egal. Es gibt im dem Stück einen Satz, dass Richter mehr Angst vor Schwulen haben, als vor Nazis, und dies ist bezeichnend. Momentan hat man ja auch mehr Angst vor linker Gewalt als vor rechter. Wobei es wesentlich mehr und brutalere Straftaten von rechts gibt, als von links. Ebenso wie die Hetze gegen Klimakleber, die halt nerven, aber ganz ehrlich, so angeklebt auf der Fahrbahn schmerzt denjenigen mehr, als den Autofahrer, der halt später ans Ziel kommt. Es ist halt nervig, aber Reichsbürger und so sind viel gefährlicher. Und das sieht man auch immer wieder an der Person Fritz Bauer, der ständig den Nazis in seiner Umgebung ausgesetzt wurde. Er hatte niemanden richtig vertrauten. Er taute zwar immer mehr bei Angermann auf, aber dies wohl auch, da sie beide ähnliche sexuelle Neigungen hatten.

Wobei sich Angermann in die Travestikünstlerin Viktoria verliebt und dies ist nun ein Schauspieler, den ich noch gar nicht genannt habe, Pascal Thomas. Was für eine Stimme! Was für eine Frau er darstellt! Diesem Schauspieler habe ich bei jedem Auftritt die Viktoria zu 100% abgenommen. Wie er diese Treppe in den Pumps hinabgestiegen ist! Eine Eleganz, die ich oft nicht bei Frauen sehe und dabei wird noch gesungen, als wäre da vorne die männliche Marlene Dietrich. Es hat so leichte Vibes, die mich zu diesem Vergleich bewegen.

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Das Stück hat immer wieder Höhepunkte. Man nimmt jeder Person auf der Bühne genau diese Rolle ab, aber Roman Kurtz sticht da noch ein wenig heraus. Zusammen mit Davíd Gaviria und Anne-Elise Minetti, die mir vor allem in der kurzen Rolle als Herr Schüle ewig im Gedächtnis bleiben wird, sind es die für mich prägenden Personen auf der Bühne, ohne dass ich nun sagen würde, dass da irgendjemand abfällt.

Es ist einfach ein richtig rundes und nahezu perfektes Schauspiel. Es gibt auch mal Punkte, wo man sagen könnte, dies geht vielleicht da noch etwas besser, oder da. Da war vielleicht eine Stimme nicht richtig präsent oder was weiß ich. Aber diesmal gab es komische Situationen, die aber auch wichtig sind, damit man so einen harten Stoff ertragen, aufnehmen und verarbeiten kann. Schließlich ist dieser Adolf Eichmann eine Person, die nicht auf der Bühne gespielt wurde, aber immer anwesend war. Wer wie Eichmann der Meinung ist, dass dieser seinen Job nicht gut gemacht hat, weil ja noch Juden am Leben seien und sich deswegen in einem Interview aufregt und vom vierten Reich schwärmt und darüber sinniert was das Problem sei, warum es kein viertes Reich gebe, der hat in meinen Augen den Schuss nicht gehört. Als er sich dann beim Prozess schon fast als Opfer des dritten Reichs hinstellt, da kann ich nur noch mit dem Kopf schütteln.

Das Theaterstück war schon richtig gut, aber auch das Nachgespräch mit Prof. Dr. Sascha Feuchert, Tim Kahn, sowie den Schauspielern Roman Kurtz und Anne-Elise Minetti, aus dem ich diese Sache mit dem vierten Reich und dem Prozess gegen Eichmann nehme, war mehr als interessant. Vor allem wurde mir da auch immer klarer, warum Adolf Eichmann nicht als Person auf der Bühne dargestellt wurde.

Es war ein perfekter Schauspielabend, mit minutenlangen Standing Ovations für die Schauspieler, wie ich es nur bei Caterina Cornaro in dieser Spielzeit bisher erlebt habe. Es war ein fast ausverkauftes Haus, obwohl es draußen heiß war und das Stück schon einige Male aufgeführt wurde.

Ich selbst habe bei diesem Stück, gelacht, geschluckt und gelernt und ich wünsche mir noch oft einen Abend mit diesen Emotionen und diesen Schauspielern auf der Bühne. Ich würde es wie Prof. Dr. Sascha Feuchert halten und vielleicht noch ein zweites Mal reingehen, um vielleicht noch das ein oder andere mehr zu sehen und zu erleben. Vielleicht sind sie dann auch im Theater und verstehen dann meine Meinung zu diesem Theaterstück, und warum wir uns genauso wie Fritz Bauer gegen Rechts positionieren müssen. Ich glaube, ich will noch mehr über diesen Menschen Fritz Bauer erfahren, genau so, wie es die Schauspieler auch machen, damit sie besser in eine Rolle eintauchen können. Danke das ihr alle zusammen dies gemacht habt.

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