Schwarzweiss

[Rezension] SchwarzWeiss – Florence Brokowski-Shekete & Marion Kuchenny

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»Viele Anregungen für ein Überdenken eigener Haltungen und Verhaltensweisen, immer konstruktiv und ohne Zeigefinger, aber am Puls des Problems. Pflichtlektüre für alle, die an einer gleichberechtigten Gesellschaft interessiert sind.« Bülent Ceylan

Wenn es um Alltagsrassismus geht, wird die Diskussion schnell hitzig. Mangelndes Wissen und Unverständnis führen dazu, dass beide Seiten sich oft in ihren von Vorurteilen geprägten Vorstellungen bestätigt fühlen. Florence Brokowski-Shekete und Marion Kuchenny haben es sich zum Ziel gesetzt, das Thema aus der Konfrontationsecke in den gelebten Alltag zu bringen. Sie nähern sich den einzelnen Fragen und Problemstellungen offen und gehen ihnen auf den Grund, ohne sie zu relativieren oder kleinzureden. Auf klare und verständliche Art und Weise erklären sie, worauf es in der Wahrnehmung und Kommunikation zum Thema Alltagsrassismus ankommt. Dabei geht es ihnen stets darum, die Perspektive des anderen zu verstehen und von Alltagsrassismus Betroffene in ihrer kulturellen Identität und individuellen Resilienz zu stärken. Für eine vertiefte Auseinandersetzung mit den angesprochenen Themen enthält das Buch wichtige Tipps und Hinweise.

Alle Gespräche stammen aus ihrem gemeinsamen Podcast »SchwarzWeiss« – dem bislang einzigen Podcast in Deutschland, der sich schwerpunktmäßig mit dem Thema Alltagsrassismus beschäftigt und der 2023 für den Deutschen Podcast Preis nominiert war. Sich für gesellschaftlichen Dialog, gleichberechtigtes Miteinander, Vielfalt und Diversität einzusetzen, ist den beiden Autorinnen ein Anliegen.

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»Es ist mir ein Anliegen, Menschen in ihrer persönlichen Motivation, kulturellen Identität und individuellen Resilienz zu stärken und einen Beitrag zum gegenseitigen Verständnis zu leisten – eben Brücken zu bauen.« Florence Brokowski-Shekete

»Dieses Buch ist ein Plädoyer für Toleranz, Verständnis und Kommunikation, und kann als Handbuch für den Umgang mit Alltagsrassismus gelesen werden. Das ist uns ein großes Anliegen.« Florence Brokowski-Shekete und Marion Kuchenny

»Wir können gar nicht oft genug über das Thema Alltagsrassismus reden. Und genau das tun Florence Brokowski-Shekete und Marion Kuchenny auf wärmste und offenste Weise. Wie schön wäre unsere Welt, würden wir uns alle so respektvoll und neugierig begegnen.« Gesine Cukrowski

Irgendwann kurz vor der Buchmesse las ich einen Beitrag bei Bluesky von Marion Kuchenny über ihr Buch „SchwarzWeiss“, welches sie mit Florence Brokowski-Shekete geschrieben hat. Mich interessiert so etwas immer schon alleine berufsbedingt, da ich mit Sozialbenachteiligten, darunter auch Flüchtlingen, täglich arbeite.

Bei dem Verlag hatte ich selbst mit Stereotypen zu kämpfen: so ein Frauenverlag, das wird wieder mit Gendern und so sehr anstrengend. Die Hautfarbe der Autorin Florence Brokowski-Shekete hingegen verursachte nicht die geringsten Bedenken. Ich erlebe täglich, dass sich Syrer bei klassischer Musik und Literatur besser auskennen als die meisten Deutschen und dies obwohl sie in einem anderen Kulturkreis aufgewachsen sind und als Flüchtlinge gewiss existentiellere Probleme haben als Goethes Werther. Ich habe 2021 eine Veranstaltung mit Schülern und Lehrern aus Namibia erlebt, wo ich dachte, so gut möchte ich auch Deutsch sprechen können. Warum schreibe ich das? Weil jeder von uns mit Stereotypen zu kämpfen hat. Ich hatte das Problem mit dem Verlag und dann lernte ich Annette Michael auf der Buchmesse in Frankfurt kennen. Eine sympathische und coole Verlegerin mit der man Pferde stehlen könnte. Diese Frau hat Power und Ausstrahlung und dieses gewisse Funkeln in den Augen, wenn sie über ihre Bücher spricht. Solche Menschen liebe ich schon in der ersten Sekunde, da sie meine Leidenschaft für Bücher teilen.

Warum schreibe ich darüber? Weil es zeigt, wie sehr wir uns von Stereotypen leiten lassen. Das kann dazu führen, dass wir etwas nicht erleben, was uns vielleicht gefallen könnte. Nun gefällt mir schon mal der Verlag, sowie die Bücher von der ganzen Aufmachung her. Wie ist den so der Inhalt? Mein Plan am Samstag war: „Ich fange das Buch heute an und höre am Mittwoch wahrscheinlich auf mit dem Lesen“, denn bei solchen Sachbüchern brauche ich immer etwas länger. Jetzt haben wir Montag und ich weiß nicht, wo der Sonntag hin ist. Das Buch ist gelesen und mein Fazit kommt zum Schluss.

Das Buch behandelt die gleichen Themen wie der Podcast SchwarzWeiss. Leider kenne ich den Podcast nicht, da ich, wenn ich lese, Podcasts sehr schlecht folgen kann. Auch Übertragungen von Fußballspielen oder politische Diskussionen klappen da nicht. Ich kann immer nur eines, lesen oder neugierig und konzentriert zuhören. Somit habe ich die Gespräche nun gelesen. Schon beim ersten Kapitel musste ich anfangen zu lachen. Thema war Schwarzfahren, Schwarzsehen, Schwarzmalen und da wurde mir klar, es geht hier nicht darum alles zu verändern, die Sprache komplett zu verändern. Mir ist aufgefallen, dass sich Florence Brokowski-Shekete sprachgeschichtlich besser auskennt wie ich. Die Sprache, die die beiden verwenden, ließ mich ahnen, es könnte richtig Spaß machen, dieses Buch zu lesen.

Es geht dann weiter über Fasching/Karneval und auch bei diesem Thema, welches teilweise sehr aufgeladen ist, gehen die beiden im Gespräch nicht mit dem Knüppel vorweg, sondern es ist ein Gespräch, wo ich denke, damit kann ich arbeiten.

Schwierig waren die Themen Bahnfahren, als man Brokowski-Shekete, die in der 1. Klasse gebucht hatte, in die 2. Klasse schieben wollte. Und ich dachte, hätte man einfach gesagt, sorry, da habe ich ein Fehler gemacht, wäre das nicht eskaliert.

So wie das bei dem Vorstellungsgespräch war für eine Stelle in einer Schule. Als der Schulleiter sie erstmal für eine Mutter hielt und nicht für das Vorstellungsgespräch als Lehrerin. Dort hat man sich hinterfragt und ist offen mit der Verwechslung umgegangen.

Hart fand ich das Thema Haare. Das war zweimal Thema, einmal: „Dürfen weiße Dreadlocks tragen?“ und „Warum greifen Menschen der Autorin einfach in die Haare?“. Aber fange ich erstmal bei den Dreadlocks an. Wie kann man als Fridays for Future den Künstlern vorschreiben, wenn du hier auftreten willst, dann schneid die Haare ab. Als Weißer darfst du keine Dreadlocks tragen. Und da bin ich jetzt einfach mal froh, dass ich älter bin. Ich kenne Menschen in meinem Alter, die haben früher Dreadlocks getragen einfach, weil sie es wollten. Genauso wie man sich die Haare gefärbt hat und wenn man Pech hatte erstmal als Junge mit pinken Haaren durch die Gegend lief, oder man Dauerwellen getragen hat. Man hat einfach gemacht und das deswegen, weil man es schön fand und nicht, weil man sich Gedanken um dies und jenes gemacht hat. Nicht jede Frisur hatte eine Aussage. Man fand es an einem anderen toll, unter anderem an seinem Idol, also warum nicht an sich ausprobieren. Warum sollte man jemanden vorschreiben, wie man die Haare zu tragen hat? Geschichtliche Bezüge hin oder her, die sind wichtig, aber auf der einen Seite Toleranz predigen und auf der andere Seite Vorschriften machen geht in meinen Augen nicht.

Was in meinen Augen gar nicht geht ist, dass man anderen Menschen in die Haare greift, weil man wissen will, wie sich diese Haare so anfühlen. Würde ich nie machen, egal bei einem Mann oder bei einer Frau. Das ist einfach übergriffig, da ist es egal ob man schwarz, weiß oder grün-lila getupft ist. Mich würde meine Mutter aber strammstehen lassen, wenn ich dies bei einem Menschen machen würde. Und da ist es egal, welche Hautfarbe oder Geschlecht dieser Mensch nun hat. Es scheint aber auch ein allgemeines Phänomen zu sein, dass danach drängt anders aussehendes anfassen zu wollen. Eine Freundin berichtete von einem Ägyptenurlaub in den 80ern, wo auch jeder das blonde Haar ihres kleinen Bruders anfasste. Diese Übergriffigkeit ist generell inakzeptabel. Es wäre mal interessant, was die Psychologie zu diesem Zwang sagt, alles andere anfassen zu wollen.

Das hat wie bei allen Themen in dem Buch und Podcast etwas mit gegenseitigem Respekt zu tun. Ein Credo in dem Buch sind immer wieder die Worte „Reden und zusammen!“ Wir sollten einfach mehr reden und mehr versuchen zu verstehen. Jeder von uns hat bestimmte Stereotypen, die man so bedient bekommt. Ich wusste vor dem Buch nicht wer Florence Brokowski-Shekete ist. Marion Kuchenny kannte ich nur als Moderatorin und schätze seit längerem ihre Einstellungen gegenüber vielen Dingen sehr. Meine anfänglichen Stereotypen hatten noch nicht mal etwas mit den beiden Autorinnen zu tun, sondern ich hatte Angst vor der möglichen Sprache des Buches im Allgemeinen, dass man die Gespräche so führt, das man abhebt. Aber die beiden führen Gespräche genauso, wie es in meinen Augen sein sollte, niedrigschwellig ohne, dass man Angst hat sie nicht zu verstehen. Man erklärt einfach mal das warum und wieso und zwar so, dass man sagt ja, damit kann ich was anfangen.

Für mich ein Buch, welches man lesen sollte, genauso wie man den Podcast hören sollte, da er enorm wichtig ist für das bessere gemeinsame Verständnis und Leben. Genauso, wie ich den Orlanda Verlag mehr auf den Schirm haben werde, damit meine Stereotypen langsam immer weniger werden, denn das Buch lässt sich einfach mal lesen und man vergisst Raum und Zeit völlig – und dies bei einem Sachbuch. Bücherherz, was willst du mehr?

Schwarzweiss

Titel: SchwarzWeiss

Autor/In: Brokowski-Shekete, Florence & Kuchenny, Marion
ISBN: 9783949545658
Verlag: Orlanda Verlag
Preis: 22,00 €
Erscheinungsdatum: 1.September 2024

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