Fünf Fremde
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LITL793 [Interview] Von Krimis zu Thrillern: Romy Fölck im Gespräch über ihren neuen psychologischen Pageturner Fünf Fremde

In einem fesselnden Interview zwischen Markus Eggert von LiteraturLounge.eu und der Autorin Romy Fölck geht es um ihren neuesten Thriller „Fünf Fremde“. Fölck, die zuvor für ihre Kriminalromane bekannt war, beschreibt ihren Ansatz, einen psychologischen Thriller zu schreiben, und erklärt, dass es höchste Zeit war, etwas Neues auszuprobieren. Sie hat über zwei Jahrzehnte lang klassische Krimis geschrieben und verspürte den Wunsch, in die Welt der Thriller einzutauchen, insbesondere um die Spannung und die psychologischen Aspekte stärker zu betonen.

Eggert äußert seine Bewunderung für die Erzählweise von Fölck und stellt Fragen zur Inspiration hinter dem Setting der Geschichte, das auf der kleinen, wenig bekannten Insel Neuwerk spielt. Fölck erzählt, dass sie die Insel durch eine Freundin entdeckte und sofort von der Idee eines „Locked-Room“-Szenarios begeistert war, da sie nur begrenzten Zugang zur Außenwelt hat, insbesondere während eines herannahenden Orkans. Fölck nutzt die Geografie und das Wetter als zusätzliche Elemente des Unheimlichen und als antagonistische Kräfte, die die Isolation der Charaktere verstärken.

Ein zentraler Punkt des Gesprächs ist das verschwundene Kind, ein Ereignis, das als Albtraum für jeden Jugendgruppenleiter oder Lehrer gilt. Fölck reflektiert über die Verantwortung von Lehrern und die emotionalen Belastungen, die damit verbunden sind, wenn etwas Schreckliches passiert. Die Rückkehr der Lehrerin Charlotte, die in die Ereignisse involviert war, stellt eine wichtige Verbindung zwischen der Vergangenheit und der Gegenwart her. Während des Interviews wird deutlich, wie sehr solche Traumata das Leben der Protagonisten geprägt haben und sie auch in ihren aktuellen Entscheidungen beeinflussen.

Romy Fölck erzählt, wie die Demenz von Annikas Mutter Hedda, die sich oft in der Vergangenheit verliert, ein weiterer emotionaler Anker in der Erzählung ist. Fölck beschreibt, wie zutiefst schmerzhaft es für Angehörige ist, jemanden zu sehen, der in eine andere Welt abtaucht, und behandelt dieses sensible Thema mit viel Empathie. Diese emotionalen Themen sind nicht nur wichtig für die Entwicklung der Charaktere, sondern auch für die Leserschaft, da sie Nachvollziehbarkeit und Mitgefühl schaffen.

Eggert und Fölck diskutieren auch die Dynamiken zwischen den fünf zentralen Charakteren, die geheimnisvolle Verbindungen zueinander haben und deren gemeinsame Geschichte in der Vergangenheit sie verbindet. Fölck erklärt, dass die Charaktere nicht nur gemeinsam Kinder waren, sondern auch Geheimnisse und Narben tragen, die ihre Beziehung zueinander komplex machen. Es wird betont, wie die Rückkehr zu früheren Bekanntschaften sowohl Vertrautheit als auch Angst vor dem Entblößen ihrer Geheimnisse mit sich bringt.

Ein weiterer interessanter Aspekt des Interviews ist der erzählerische Aufbau des Buches. Fölck nutzt verschiedene Perspektiven, um die Handlung voranzutreiben und den Leser in die Gedanken und Emotionen der Charaktere einzuführen. Diese Technik sorgt dafür, dass die Spannung kontinuierlich steigt, da jede Perspektive neue Informationen und Fragestellungen bringt. Eggert zeigt Interesse an der Herausforderung, verschiedene Perspektiven zu beschreiben und wie es gelingt, die Leser hierdurch in die Geschichte zu ziehen.

Zusammenfassend verbindet Fölck in „Fünf Fremde“ psychologischen Thriller mit emotionalen und nostalgischen Elementen, die sowohl die Charaktere als auch die Leser ansprechen. Das Interview verdeutlicht die Leidenschaft der Autorin für das Schreiben und ihre besten Wünsche an die Leser, nicht nur ein fesselndes Buch zu erleben, sondern auch sich mit der eigenen Jugend und den damit verbundenen Erinnerungen auseinanderzusetzen.

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Romy Fölck
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