[Rezension] MACHEN MACHT MUT – Gegen die Gleichgültigkeit – Cesy Leonard Mut finden, Gemeinschaft stärken, Demokratie leben
Mut finden, Gemeinschaft stärken, Demokratie leben
Klappentext:
Fühlen Sie Ohnmacht und Resignation angesichts einer Welt, die sich rückwärts zu drehen scheint?
Die Aktionskünstlerin Cesy Leonard hat etwas dagegen: Handeln. Aber was kann ein einzelner Mensch schon tun? Jede Menge! Die Autorin verbindet inspirierende Geschichten aus ihrer Praxis mit konkreten Ideen, wie wir aktiv werden können. Ob im Kleinen oder im Großen: Jeder Mensch kann politisch wirksam sein. Denn nicht die Wut ist unser Feind, sondern die Gleichgültigkeit.
Dieses Buch ist ein Weckruf. Für alle, die nicht mehr zuschauen wollen. Für alle, die aufstehen, mitdenken und anpacken wollen. Jetzt.
»Für alle Veränderungen braucht es Mut und Gemeinschaft. Mut haben ist aber kein Zufall, Cesy Leonard und die Radikalen Töchter zeigen wie jede Person ihren Mut finden und nutzen kann.« Carola Rakete
Rezension:
Ich bin ja im Arbeitskreis der freien Kultur in Gießen aktiv. Als ich letzte Woche beim Einkaufen war, hatten Freunde von mir eine Kunstinstallation auf dem Kirchplatz. Wir sprachen über die Aktion, und wieder mal wurde auch davon erzählt, dass die Anhänger der AfD drohten, dass Künstler als Erste verschleppt etc. werden. Auch mir passiert es immer wieder, dass man mal ne nette Postkarte, Zettel oder so im Briefkasten hat. Wenn ich mal wieder politisch war, bin ich deswegen ruhiger geworden? Schaut einfach mal auf meinem Blog nach.
Was das mit dem Buch zu tun hat? Da ich gerade wieder ein Buch beendet hatte, stolperte ich nachdenklich durch die Wohnung und blickte auf meinen SUB, der ja bekanntlich sehr groß ist. Ich habe mich lange Zeit nicht an das Buch getraut. Gutes Thema, aber manchmal falscher Zeitpunkt. Und diesmal lächelte mich der Buchtitel „machen macht mut“ von Cesy Leonard an, es zog mich sogar an.
Ich fing also an zu lesen, es fesselte mich, von einer Sprayerin, auch noch Hip Hoperin, zu lesen. Dies sind zwei Dinge, wo ich mich schwer tue: also Hip-Hop ist nicht so meine Musikrichtung, und bei Sprayern finde ich schon geil, was sie machen, aber Kontakt habe ich eher weniger. Ich bin da, wie jeder, bei bestimmten Dingen ein wenig voller Vorurteile. Wobei ich manche Dinge schon toll finde, wie bei allem. Man kann nie sagen, dass etwas schlecht ist, wenn man es sich nicht vorher ansieht, und da ist es wie bei der Demokratie, man muss seinen Standpunkt aushandeln. Mit Leben füllen und für die Demokratie einstehen.
Man muss was machen, wie z.B. das Zentrum für Politische Schönheit, und da bin ich dann auch wieder dabei, dass Kunst auch mal weh tun darf – man muss sich darauf einlassen. Wenn es um europäische Grenzen geht, kann man auch mal darauf aufmerksam machen, wie viele Menschen an diesen Grenzen sterben. Mit dem Machen fängt es nämlich an. Das Zentrum für Politische Schönheit macht immer wieder besondere Aktionen. Ob es der Adenauer-Bus ist, oder man ein Holocaustdenkmal zu Höcke bringt. All dies sind Dinge, die Kunst sind. Man wird erinnert an das, was wichtig ist. Die CDU, warum Walther Lübke gestorben ist, Höcke, dass es den Holocaust wirklich gab.
Cesy Leonard war auch bei dem ZPS und dort bei der Aktion dabei, wo auf die Toten an der Europäischen Grenze aufmerksam gemacht wurde. Mittlerweile hat sie die „Radikalen Töchter“ gegründet und hat einen anderen Ansatz. Sie bietet Workshops zur politischen Bildung an.
Sie macht darauf aufmerksam, was alles politisch ist. Dass alles in unserem Leben politisch ist, auch wenn man selbst sagt, man ist nicht politisch. Und mit welcher Kreativität sie dies manchmal hervorlockt. Sie macht dies mit einer Prise Humor und Ehrlichkeit, die einfach entwaffnend ist. Und je länger ich in dem Buch gelesen hatte, um so kleiner wurde die Wolke über meinen Kopf. Ich bekam wieder mehr Luft zum Atmen. Meine Angst verschwand, ich konnte wieder ins Machen kommen. Ich bekam wieder Kraft für die Arbeit, den Klassismus in Gießen und Landkreis abzubauen. Menschen zu ermutigen, Kultur zu erleben. Schwellenängste abzubauen vor Kunst, Kultur und Politik. Dies ist mein täglicher Beruf, Menschen, die eine Beeinträchtigung haben, Teilhabe zu ermöglichen. Cesy Leonard hat mich ins Machen gebracht, nachdem Anhänger der AfD mich mal wieder blockiert hatten.
Sie erklärt einem alten Weißen Mann wie mir das Patriarchat im nächsten großen Kapitel, nachdem sie mich ins Machen gebracht hat. Und ganz ehrlich, diese Diskussion bin ich echt immer wieder leid: Patriarchat und der Feminismus. Ich habe manchmal das Gefühl, bei diesen Themen kann man nur verlieren. Aber nachdem Cesy Leonard mich schon ins Machen gebracht hat, und die dunkle Wolke über meinem Kopf fast beseitigt hat, warum also sich nicht auch auf diese Themen einlassen?
Und genau das habe ich gemacht, mich einfach darauf eingelassen. Und das, was ich da gelesen habe, war und ist logisch. Cesy Leonard und die „Radikalen Töchter“ sind so erholsam. Nicht radikal, sondern klar und angenehm. Nicht so polternd, sondern sie sind klar strukturiert und für Menschen, und sie treten nicht nach unten, sondern sie holen einen genau da ab, wo man sich befindet, und regen dadurch zum Nachdenken an.
Was mich sehr bewegt hat, waren Elise und Otto Hampel, die Postkarten verteilt haben und dann vom NS-Regime verhaftet wurden. Und Cesy Leonard hat mich auf ein Buch aufmerksam gemacht dabei – „Jeder stirbt für sich allein“ von Hans Fallada – ich glaube das muss ich demnächst wirklich lesen, wo es um Elise und Otto Hampel geht, aber Fallada gab ihnen die Namen Anna und Otto Quangel. Und da sind wir wieder bei dem Thema: Manchmal macht das Kleine den großen Unterschied, und vielleicht bewegt man mit einer kleinen Postkarte mehr, als man denkt.
Sie zeigt auch immer wieder auf, wie wichtig Gemeinschaft ist, das Miteinander, und wie wir voneinander profitieren, wenn wir etwas machen. Und dies gibt uns Mut, wenn wir zu unseren Emotionen auch stehen. Wenn wir ins Machen kommen, gemeinsame Macht erleben, dann werden wir auch wieder mutig. Und können etwas bewegen, wenn wir miteinander lachen und über unsere Ängste und Scham reden, dann werden wir zusammen mutig.
Ich sitze hier gerade und mir hat dieses Buch Hoffnung und Mut gegeben, nachdem ich mal wieder kurz auf dem Boden lag. Es wird nicht das letzte Mal sein, dass ich Angst habe, oder dass ich kurz die Hoffnung verliere, aber vielleicht ist es dann doch mal wieder so, dass ich durch meinen SUB steige und über eine Autorin und Künstlerin wie Cesy Leonard stolpere. Wie wäre es, wenn wir alle mal anfangen zu machen, zu überlegen, wo meine Stärken sind, und Mitstreiter suchen.
Titel: MACHEN MACHT MUT – Gegen die Gleichgültigkeit
Autor/In: Leonard, Cesy
ISBN: 978-3-351-04267-7
Verlag: Aufbau Verlag
Preis: 20,00€
Erscheinungsdatum: 13. Oktober 2025
Bei unseren Partnern bestellen:
Mut finden, Gemeinschaft stärken, Demokratie leben
Ich bin ja im Arbeitskreis der freien Kultur in Gießen aktiv. Als ich letzte Woche beim Einkaufen war, hatten Freunde von mir eine Kunstinstallation auf dem Kirchplatz. Wir sprachen über die Aktion, und wieder mal wurde auch davon erzählt, dass die Anhänger der AfD drohten, dass Künstler als Erste verschleppt etc. werden. Auch mir passiert es immer wieder, dass man mal ne nette Postkarte, Zettel oder so im Briefkasten hat. Wenn ich mal wieder politisch war, bin ich deswegen ruhiger geworden? Schaut einfach mal auf meinem Blog nach. Was das mit dem Buch zu tun hat? Da ich gerade wieder ein Buch beendet hatte, stolperte ich nachdenklich durch die Wohnung und blickte auf meinen SUB, der ja bekanntlich sehr groß ist. Ich habe mich lange Zeit nicht an das Buch getraut. Gutes Thema, aber manchmal falscher Zeitpunkt. Und diesmal lächelte mich der Buchtitel „machen macht mut“ von Cesy Leonard an, es zog mich sogar an.
URL: https://literaturlounge.eu/?p=33569
Autor: LiteraturLounge
Name: MACHEN MACHT MUT – Gegen die Gleichgültigkeit
Autor: Cesy Leonard
ISBN: 978-3-351-04267-7
Veröffentlichungsdatum: 2025-10-13
Format: https://schema.org/Hardcover