Voland & Quist

Voland & Quist ist ein Independent-Verlag und veröffentlicht junge zeitgenössische Literatur. Programmschwerpunkte sind junge Prosa, Lesebühnenliteratur, Spoken-Word-Lyrik, Kinderbücher, Comedy sowie Romane und Erzählungen osteuropäischer Autoren. Verlegt werden z.B. Bücher von Ahne, Nora Gomringer, Kirsten Fuchs, Marc-Uwe Kling, Bas Böttcher, Benedikt Feiten, Viktor Martinowitsch, Jaroslav Rudis und Lydia Daher. 2007 erhielt der Verlag den Arras Preis, 2010 wurde er mit dem Kurt-Wolff-Förderpreis ausgezeichnet.

  • LITL679 [Podcast] Ein ungewöhnlicher Wohnort, eine starke Geschichte – Rezension zu „Im Schrank“

    In dieser Episode bespreche ich das Buch „Im Schrank“ von Tereza Semotamová, dessen Klappentext von Martina Lisa aus dem Tschechischen übersetzt wurde. Die Erzählung folgt einer jungen Frau, die eine radikale Entscheidung trifft: Sie zieht in einen alten, knarrenden Schrank in einem Hinterhof in Prag, um sich von den Zwängen und der vermeintlichen Geborgenheit ihrer Umgebung zu befreien. In einer Welt voller Ungewissheiten rekonstruiert die Autorin die skurrilen und manchmal frustrierenden Episoden auf der Suche nach dem eigenen Weg. Das Buch verbindet ironische und absurde Momente mit einer tiefen emotionalen Resonanz, die zum Nachdenken anregt.

    Meine persönliche Reise mit diesem Buch begann eher unerwartet, als ich durch das Programm des Literarischen Zentrums in Gießen auf die Lesung aufmerksam wurde. Entgegen meiner Präferenzen wegen einer Sommergrippe, die mich daran hinderte, die Veranstaltung zu besuchen, griff ich schließlich doch zum Buch. Die Protagonistin Hannah, die in Deutschland in einer unglücklichen Beziehung feststeckte, wird von ihrer Schwester in diesen Schrank geschickt, und so beginnt ihre ungewöhnliche Wohnsituation und innere Reise.

    Anfangs fand ich das Konzept der Schrankbewohnerschaft skurril und inspirierend, doch während ich tiefer in die Handlung eintauchte, entdeckte ich immer mehr Parallelen zu meinem eigenen Leben. Ich wurde gezwungen, über meine eigenen Ängste nachzudenken, was oft schmerzhaft, aber auch befreiend war. Die Autorin fesselte mich mit ihrer Fähigkeit, komplexe Emotionen in scheinbar einfachen Situationen einzufangen, wodurch die Lektüre oft schwer verdaulich, aber ungemein wichtig wurde.

    Die strukturierte Erzählweise, bei der nicht alle Kapitel einen klaren Zusammenhang aufzuweisen scheinen, förderte meine Reflexion. Oft musste ich Sätze mehrfach lesen, da sie beim zweiten Mal ganz neue Emotionen in mir hervorriefen. Ich erlebte während der Lektüre ein Wechselbad der Gefühle, zwischen Lachen und Weinen, während ich mit Hannahs Kampf, sich selbst zu finden, mitleitete. Obwohl ich frustriert war über ihre Weigerung, Hilfe anzunehmen, konnte ich ihre Ängste und inneren Konflikte nachvollziehen.

    Letztlich ist „Im Schrank“ ein Buch, das man gelesen haben sollte – allerdings erst dann, wenn man bereit ist, sich mit den eigenen inneren Konflikten auseinanderzusetzen. Es erfordert eine gewissenhafte Auseinandersetzung und sollte nicht am Rande durchblättert werden. Manche Passagen sollten laut gelesen werden, um die volle Wirkung zu entfalten. Ich bin dankbar, dass ich dieses Buch entdeckt habe, denn es hat nicht nur meine Sichtweise erweitert, sondern mir auch geholfen, mich selbst besser kennenzulernen. Ich bin überzeugt, dass jede Leserin und jeder Leser etwas anderes aus diesem Werk ziehen wird – sei es Lachen, Weinen oder ein neuer Blick auf das eigene Leben. „Im Schrank“ von Tereza Semotamová ist im Voland & Quist Verlag erschienen und als E-Book erhältlich.

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  • LITL443 [Podcast-Interview] über das Buch : Im Schrank mit Tereza Semotamová

    Aus dem Tschechischen von Martina Lisa

    Eine junge Frau zieht in einen Schrank. Ausgedient und knarzig steht er
    in einem Prager Hinterhof, der Winter naht. Es ist ihr Raum. Und es ist der
    radikale Entschluss, sich allen Zwängen, auch aller Geborgenheit zu entziehen,
    das Resultat zu vieler missglückter Anpassungsversuche.

    Tereza Semotamová rekonstruiert die mal absurden, mal bitteren Episoden
    jener Suche nach dem eigenen Weg in einer Welt, in der niemand mehr genau weiß,
    wo es eigentlich lang geht.

    »Kaum zu glauben, was man alles in einen Schrank packen kann. Ein
    ironisches, absurdes und sehr witziges Buch. Man lacht, man weint. So muss es
    sein!«

    Jaroslav Rudiš, Schriftsteller

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