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  • LITL622 [Podcast] Zwischen D-Day und Gegenwart: Gezeitenspiel – Benjamin Cors packt zu

    In dieser Episode dreht sich alles um „Gezeitenspiel“, den fesselnden Kriminalroman von Benjamin Cors. Der Klappentext verrät uns von einem mörderischen Wettlauf gegen die Zeit, in dem der Bodyguard Nicolas Goulart die zentrale Rolle einnimmt. Nicolas, ein Personenschützer der französischen Regierung, sieht sich mit einer bedrückenden Situation konfrontiert, als ein sterbender Mann versucht, ein Wort in den Boden zu ritzen – ein entscheidender Hinweis, der ihn zu geplanten Anschlägen anlässlich der Feierlichkeiten am 6. Juni in der Normandie führt. Die historische Dicke dieses Datums, das an die alliierten Landungen im Jahr 1944 erinnert, verleiht der Handlung eine zusätzliche Dramatik.

    Es wird spannend, als Nicolas Hilfe von seiner überraschend wieder aufgetauchten Partnerin Julie erhält. Hierbei stellt sich die grundlegende Frage: Kann er ihr trauen? Der Plot entfaltet sich in einem düsteren Geflecht aus Freundschaft und Verrat, während Nicolas sich in einem Wettlauf gegen die Zeit und gegen mysteriöse, bedrohliche Kräfte wiederfindet. Die Brisanz des Themas wird durch die Verknüpfung mit historisch bedeutenden Ereignissen und aktuellen Bedrohungen verstärkt, die nicht nur fiktiv, sondern auch sehr real wirken.

    In meiner persönlichen Rezension empfinde ich Benjamin Cors‘ Stil als so fesselnd, dass man das Buch einfach nicht aus der Hand legen kann. Ich habe nun den dritten Band der Reihe erreicht und finde die Kulisse eines kleinen Dorfes in der Normandie ebenso spannend wie die vorherigen Handlungsorte. Interessanterweise weckte das Buch Erinnerungen an meinen Opa, der mir Geschichten vom D-Day erzählte. Diese Verbindung zwischen fiktiver Literatur und persönlicher Geschichte verlieh der Lektüre eine tiefere Dimension. Die Art und Weise, wie Cors historische Bezüge in die Handlung integriert, ohne einen Geschichtsroman daraus zu machen, ist bemerkenswert.

    Der Krimi entfaltet sich mit einer dynamischen Erzählweise und bringt die Charaktere, einschließlich der Protagonisten Nicolas und Claire, in brenzlige Situationen, die oft das Herzstocken bringen. Besonders Claire, die mit ihrer sprunghaften und nervenden Art nicht nur Herausforderungen für Nicolas darstellt, verleitet den Leser zum Schmunzeln und Zögern. Mein persönlicher Geschmack schwankt zwischen den unterschiedlichen Charakteren, was zeigt, dass auch im fiktionalen Raum nicht jeder Protagonist Gewinner sein kann.

    Ein weiterer Aspekt, der „Gezeitenspiel“ auszeichnet, ist der ständige Zweifel und die Unsicherheit bezüglich der moralischen Cluster von Gut und Böse. Cors schafft es meisterhaft, graue Schattierungen in die Charakterzeichnung einzuflechten, sodass man bis zum Schluss mitfiebern muss, wer tatsächlich hinter den finsteren Machenschaften steckt. Diese Unsicherheit macht das Lesen zusätzlich spannend und stellt die Frage nach der Natur des Bösen und des Guten in den Mittelpunkt.

    Mit jeder Seite werden nicht nur die plottechnischen Wendungen fesselnder, sondern auch das Fernweh wächst – besonders die Sehnsucht, die Normandie selbst zu besuchen. Das Buch hat mir ein ständiges Verlangen nach mehr eingepflanzt, welches sich nicht nur auf die Handlung erstreckt, sondern auch auf die landschaftliche Kulisse. Es sind spannende 445 Seiten, die durch eine packende Prosa und emotional belastende Situationen beeindrucken – man leidet mit den Charakteren und sieht nicht nur ihre Herausforderungen, sondern entwickelt auch eine Tiefe für ihre Kämpfe.

    Mein Fazit? Benjamin Cors hat es geschafft, die Erwartungen an die Fortsetzung der Reihe hochzuhalten, und ich kann es kaum erwarten, die nächste Episode dieser spannenden Geschichte zu lesen. Mit jedem Band, den ich in dieser Reihe aufschlage, erlebe ich, wie, auch hier wie in der Realität, es nie nur Schwarz oder Weiß gibt. Der Autor hat sich einen besonderen Platz in meinem Bücherregal erobert, und ich freue mich schon auf Band vier, der demnächst erscheinen wird.

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  • LITL614 [Podcast] Zwischen Dramatik und Tiefe: Wie gut ist "Die Akte Jacobi" von Frank Uhlmann wirklich?

    In dieser Episode widme ich mich der Rezension von „Die Akte Jakobi“, einem spannenden und packenden Thriller von Frank Uhlmann. Als Leser, der bereits mit den ersten beiden Bänden der Reihe vertraut ist, finde ich mich erneut in der Welt von Norman Jakobi und Katharina Beck. Der Klappentext des Buches zieht mich sofort in den Bann: Ein Aktivist kommt während einer Demonstration in Frankfurt ums Leben, und Gerüchte äußern, dass die Polizei dafür verantwortlich ist. Diese brisante Voraussetzung schafft einen direkten Spannungsbogen, der die Ermittlungen von Jakobi in Gang setzt.

    Zu Beginn des Buches fällt es mir schwer, mich in die Handlung hineinzufinden. Uhlmann setzt stark auf Bezüge zu den vorherigen Bänden, und die Vielzahl an Verschwörungstheorien, die den Einstieg mehr belasten als erleichtern, ließ mich etwas skeptisch zurück. Doch nachdem ich mich entfaltet habe, wird es klar: Jakobi wird mit der brutalen Realität konfrontiert, als er ein Video erhält, das die Polizei beim Gewaltexzess zeigt. Diese Enthüllung stellt nicht nur sein Vertrauen in seine Freunde, insbesondere Kommissar Demandt, auf die Probe, sondern zwingt ihn auch dazu, die Motive und Loyalitäten der Menschen um ihn herum zu hinterfragen.

    Die Figur Freddy, ein Bürgerrechtler, zieht Jakobi weiter in einen Strudel aus Misstrauen und Paranoia. Ich habe bei der Lektüre das Gefühl, als würde Freddy allzu eindimensional agieren, indem er die Polizeigewalt und die staatlichen Institutionen zu Schwarz-Weiß-Entitäten stilisiert. Diese Sichtweise, die oft populistisch wirkt, hat in meinen Augen der Wahrheit den Raum genommen. Die Realität ist oft nuancierter, und es wäre wünschenswert gewesen, dass Uhlmann mehr Facetten dieses Themas beleuchtet. Ich kann Jakobi manchmal nur die Sorgen und Fragen zurufen, die mir auf der Seele liegen, wenn ich ihn in diese verzweigte Situation beobachten. Warum läuft er immer wieder in solche Fallstricke?

    Die Dynamik zwischen den Charakteren und die Schwierigkeiten, mit denen Jakobi konfrontiert ist, ziehen mich dennoch in den Bann. Frank Uhlmanns Schreibstil hat das Potenzial, mich trotz dieser kritischen Anmerkungen zu fesseln. Allerdings hatte ich das Gefühl, dass er manchmal die zentrale Botschaft des Buches zugunsten von actionreichen Übergängen und dramatischen Wendungen verwischt. Während dies in einem Film hervorragend funktioniert, fehlt es einem Buch an der Möglichkeit, diese Momente wirkungsvoll zu gestalten, ohne dass die Geschichte etwas von der Tiefe verliert.

    Insgesamt bleibt „Die Akte Jakobi“ ein lesenswerter Thriller, der mit viel Spannung und Dramatik aufwartet, aber in einigen Aspekten von genaueren Charakterentwicklungen und Handlungsfokussierungen profitieren könnte. Ich finde es schade, dass die Veröffentlichungen im Abstand von zwei Jahren erfolgen, und hätte mir gewünscht, dass die Erzählung etwas flotter weitergeht. Oft bleiben somit Cliffhanger zurück, die zwar motivieren, aber auch frustrieren können. Die Hoffnung, dass Frank Uhlmann meine Lieblingscharaktere nicht in den Hintergrund drängt, bleibt, während ich bereits auf die Fortsetzung harre.

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  • LITL609 [Podcast] Packender Thriller im Check: 'Final Girls' von Riley Sager im Podcast

    In dieser Episode besprechen wir das fesselnde Buch „Final Girls“ von Riley Sager. Die Geschichte beginnt mit Quincy, einer Universitätsstudentin, die als einzige das Massaker an einer Party überlebt hat. Sie hat alles daran gesetzt, ihre traumatischen Erinnerungen auszulöschen und ein normales Leben aufzubauen. Doch die Schatten ihrer Vergangenheit lassen sie nicht los, und als eine weitere Final Girl, Lisa, ermordet aufgefunden wird, wird Quincy in ein Netz aus Geheimnissen und Gefahren gezogen. Wir ergründen die komplexe Psychologie der Protagonisten und die düstere Atmosphäre der Erzählung.

    Die Dynamik zwischen Quincy, Lisa und Samantha wird besonders beleuchtet. Während Quincy als das nette Mädchen präsentiert wird, das unter der Last ihres Traumas leidet, tritt Samantha auf den Plan, eine Figur, die die Fassade von Quincys Leben in Frage stellt. Ihre rebellische und rauchende Art bringt Quincys innere Dämonen zum Vorschein und konfrontiert sie mit den tiefen, dunklen Geheimnissen, die sie zu verstecken versucht. Die Entwicklung von Quincys Charakter, ihre Probleme mit Alkohol und Tabletten und die Unsicherheiten, die sie aufgrund ihrer lückenhaften Erinnerungen hat, stehen im Zentrum unserer Diskussion.

    Wir widmen uns auch dem Aufbau der Spannung in „Final Girls“. Der Thriller entwickelt seinen Nervenkitzel schrittweise und lässt die Leser in einen Strudel von Zweifeln und Geheimnissen eintauchen, die geradezu greifbar sind. Wir erkunden, wie Sager es schafft, den Leser immer wieder in die Irre zu führen und gleichzeitig die Aufmerksamkeit auf die Hintergründe der anderen Final Girls zu lenken. Der Horror, der langsam in die Handlung eingewoben wird, lässt uns immer wieder innehalten und über die Motive und Geheimnisse der Charaktere nachdenken.

    Das überraschende Ende, das sowohl sprachlich als auch strukturell überzeugt, wird als klimatische Einlösung aller Spannung beschrieben. Der Aufbau des Buches und die packende Erzählweise haben dazu geführt, dass ich die Welt der Bücher vergessen habe und völlig in Sagers Geschichte versunken bin. Dieses Buch hat mich absolut in seinen Bann gezogen und ich hoffe, dass ich in Zukunft weitere Werke von Riley Sager in ähnlicher Qualität lesen kann. „Final Girls“, erschienen im Jahr 2018 im DTV-Verlag, bleibt ein Highlight des Thriller-Genres, das für jeden Lesegenuss eine lohnenswerte Lektüre darstellt.

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  • LITL601 [Podcast] Rezension: Schildkrötenwege - Matthew Quick

    In dieser Rezension sprechen wir über das Buch „Schildkrötenwege“ von Matthew Quick. Es handelt von Nanette O’Hara, einer Schülerin und Spitzensportlerin, die immer die Regeln befolgt hat. Doch als sie den Kultroman „Der Kaugummi-Killer“ liest, beginnt sie, ihr Leben zu hinterfragen. Sie trifft auf den Einzelgänger Alex, der ebenso wie sie gegen die Normen rebelliert. Als die beiden sich verlieben, ermutigt Alex Nanette, sich gegen die Konventionen aufzulehnen, aber seine radikale Art stellt sie vor Probleme.

    Die Rezensentin beschreibt das Buch als aufwühlend, nachdenklich stimmend, aber dennoch gut. Nanette wird in einer Kleinstadt in den USA dargestellt, wo sie den Roman „Der Kaugummi-Killer“ entdeckt und von dessen Autor beeinflusst wird. Die Charaktere im Buch reagieren ähnlich wie Leser, die von Büchern zum Nachdenken angeregt werden.

    Die Beziehung von Nanette zu Alex, der sie ermutigt, ihren eigenen Weg zu gehen, wird als berührend beschrieben. Das Buch regt dazu an, sich selbst kritisch zu hinterfragen und Veränderungen im Leben anzustreben. Die tiefsinnigen Fragen, die Nanette dem Autor stellt, spiegeln die Fragen wider, die auch Leser sich selbst stellen.

    „Schildkrötenwege“ wird als Buch empfohlen, das Jugendlichen helfen kann, ihren eigenen Weg zu finden, und auch Erwachsene zum Nachdenken über ihre Entscheidungen anregen kann. Es wird betont, wie schwierig es sein kann, sich gegen den Strom zu behaupten, egal in welchem Lebensabschnitt man sich befindet. Die Rezensentin hebt hervor, dass das Buch trotz turbulenter Entwicklungen zu einer ruhigeren und ausgeglicheneren Selbstfindung führen kann.

    Abschließend wird erwähnt, dass „Schildkrötenwege“ aus dem Jahr 2018 stammt und für Leser ab 14 Jahren geeignet ist. Das Buch wird nicht mehr im Handel angeboten, kann jedoch über Restauflagen oder Online-Plattformen wie Booklooker erworben werden.

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