Aufbau Verlag

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    [Rezension] Mauerpogo – Sonja M. Schultz

    Als die Musik gefährlicher war als Bomben

    Klappentext: Ein Buch wie ein Aufbruch, eine Liebeserklärung an das Laute, Wilde und wunderbar Kaputte Ein Roman, der beim Lesen in den Händen vibriert Eisenwerda, 1982. Jo ist vierzehn, steht kurz vor der Jugendweihe, der fürchterlich biedere Rock liegt schon bereit. Da fällt ihr das Foto einer jungen Londonerin in die Hände, das sie elektrisiert:…

  • LITL751 [Podcast] Kriminalgeschichte als Zeitreise: Ein Podcast über Michael Jensens ‚Bluthunde‘

    Im Interview spricht Markus Eggert mit Michael Jensen über dessen jüngst veröffentlichtes Buch „Bluthunde“, den fünften Teil der Syndikat-Reihe, die sich mit den Brüdern Sass beschäftigt. Eggert äußert sein Erstaunen darüber, dass er die Vorgängerbände unwissentlich verpasst hat, und fragt Jensen, wie es sei, über eine solch komplexe und vielschichtige Reihe zu schreiben. Jensen erklärt, dass die Idee zur Serie vor vielen Jahren entstand und sich über die Jahre entwickelt hat. Ursprünglich war die Suche nach urbanen Mythen in Deutschland der Ausgangspunkt, was ihm besonders an den Brüdern Sass, einem Gaunerpaar der 20er Jahre in Berlin, zu gefallen schien.

    Jensen reflektiert über die besondere Attraktivität der Weimarer Republik für seine Geschichten. Sein Interesse an dieser Epoche, die er als eine großartige Chance für Deutschland betrachtet, regt ihn dazu an, die Parallelen zwischen der damaligen Zeit und der modernen Gesellschaft zu untersuchen. Jensen betont die Wichtigkeit, aus der Geschichte zu lernen, und verknüpft sein literarisches Werk mit historischen Fakten. Insbesondere die Figuren, die er in seinen Romanen präsentiert, haben oft reale historische Vorbilder oder sind in einem historisch korrekten Rahmen gestaltet, was die Fiktion und die Realität ineinander verweben lässt.

    Im Gespräch wird auch die Rolle von Kriminalgeschichte als Bildungsmedium erörtert. Jensen sieht seine Bücher als Möglichkeit, den Leser in eine andere Zeit zu entführen, während er gleichzeitig historische Leistungen und Fehler aufzeigt. Diese Verbindung von Fiktion und Historie soll beim Leser ein Bewusstsein für wichtige Ereignisse und deren Hintergründe schaffen. Jensen betrachtet seine Figuren als Vehikel, durch die er die komplexe Beziehung zwischen Vergangenheit und Gegenwart beleuchten kann.

    Besonders interessant ist Jensen’s Umgang mit historischen Persönlichkeiten, wie zum Beispiel Joseph Goebbels. Er versucht, Goebbels nicht als reine Schurke darzustellen, sondern weicht von der Dämonisierung ab und stellt ihn als Mensch mit Schwächen dar, um den historischen Kontext und die damalige politische Dynamik besser zu verstehen. Dieses Szenarien zeigt, wie Gewalt und Machtmissbrauch in der Vergangenheit Menschen geprägt haben und wie dies Parallelen zur Gegenwart aufweist.

    Ein zentrales Thema des Interviews ist auch die Verknüpfung zwischen Kriminalität und politischer Macht. Jensen bringt die Ringvereine der Weimarer Republik ins Gespräch, erklärt deren Entwicklung und macht einen Vergleich zu modernen mafiösen Strukturen. Die Diskussion über Korruption und Machtstrukturen führt zu dem ernsten Thema der politischen Verantwortung in der heutigen Zeit. Er hebt hervor, dass es Parallelen zur Radikalisierung gibt und ermutigt dazu, aus der Geschichte zu lernen, um die Demokratie zu schützen.

    Am Ende des Gesprächs geht es um Jensens Motivation und die Herausforderungen, vor denen die Literatur steht, insbesondere in Bezug auf die Erwartungen der Verlage und des Publikums. Jensen spricht die Bedeutung kleiner Buchhandlungen und die Verantwortung der Kraft der Leser an, sich für die Literatur einzusetzen, die Werte und Geschichte transportiert. Er ruft dazu auf, sich emphatisch und respektvoll gegenüber anderen zu verhalten und betont die Notwendigkeit, sich der positiven Aspekte des Lebens bewusst zu werden – eine Botschaft, die in Zeiten von Konflikten und Unsicherheit besonders relevant erscheint.

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    [Rezension] Bluthunde – Michael Jensen

    Ein fesselnder Krimi über die Brüder Sass, die Berliner Unterwelt und den gefährlichen Aufstieg der Nazis in der Weimarer Republik.

    Klappentext: Der spektakulärste Coup von Berlin. Sommer, Ende der 1920er Jahre: die beste Zeit der Weimarer Republik. Für die Sass-Brüder und ihr Syndicat wird das Pflaster in Berlin jedoch allmählich zu heiß. Zu sehr sind sie ins Visier der Behörden geraten. Franz Sass plant einen letzten großen Coup: In einem der Tresore der Commerz- und…

  • LITL685 [Podcast] Ein Debüt voller Tiefe: Helene Bukowskis 'Milchzähne' entführt in eine düstere Welt

    In dieser Episode widmen wir uns dem Debütroman „Milchzähne“ von Helene Bukowski, einer packenden Erzählung, die uns in eine düstere und doch faszinierende Welt entführt. Der Klappentext beschreibt, wie das Kind mit den feuerrot leuchtenden Haaren plötzlich im Kiefernwald auftaucht und niemandem gehört. Diese mysteriöse Einführung weckt sofort das Interesse, und wir diskutieren die zentrale Figur Skalde, die das Kind mit zu sich nimmt, obwohl sie sich der möglichen Konsequenzen bewusst ist. In einem abgelegenen Gebiet, wo Gemeinschaft und Zugehörigkeit von größter Bedeutung sind, ist es nicht leicht, Andersartigkeit zu akzeptieren.

    Wir reflektieren die Beziehungen zwischen den Charakteren, insbesondere die zwischen Skalde und ihrer Mutter Edith. Diese beiden Protagonisten, die selbst nie richtig zur Gesellschaft gehören, bilden eine schützende Einheit, die nicht nur gegen äußere Bedrohungen, sondern auch gegen die eigene Einsamkeit ankämpfen muss. Die Intensität ihrer Verbindung wird deutlich, als sich die Gefahr zuspitzt: Die ungewöhnlichen Ereignisse um das fremde Kind ziehen schnell die Aufmerksamkeit der skeptischen Gemeinschaft auf sich, was zu einem packenden Überlebenskampf führt.

    Die Erzählweise Bukowskis ist sowohl einfühlsam als auch unbarmherzig, da sie die tief sitzenden Vorurteile und Ängste der Dorfbewohner thematisiert, die sich stark gegen Fremde richten. Während wir die Welt von Skalde und Edith durchleben, wird klar, wie sich äußere Konflikte auf das Innere der Charaktere auswirken – eine grundlegende Reflexion über den eigenen Platz in einer oftmals feindlichen Umgebung.

    Wir beleuchten die emotionalen Höhepunkte des Romans, insbesondere das Aufeinanderprallen von Angst und Mitgefühl. Die wiederkehrenden Themen von Identität und Zugehörigkeit machen „Milchzähne“ zu einem Werk, das zum Nachdenken anregt. Bukowski gelingt es, eine Atmosphäre zu schaffen, in der die Leser sich ans eigene Gewissen appelliert fühlen und eigene Vorurteile hinterfragen können.

    Abschließend besprechen wir die sprachliche Brillanz des Buches. Bukowskis Schreibstil ist zugänglich und dennoch voller Tiefe, was dazu beiträgt, dass die Leser sich in die Figuren hineinversetzen und die komplexen emotionalen Strömungen verstehen können. Diese Erzählung ist nicht nur ein fesselnder Roman, sondern ein eindringlicher Kommentar zu unserer heutigen Gesellschaft, der uns ermutigt, unsere eigenen Werte und Überzeugungen zu hinterfragen. „Milchzähne“ ist ein eindrucksvolles Debüt und bietet ein Leseerlebnis, das lange nachwirkt.