Stadttheater Gießen

Ich habe mich wieder in den Musikunterricht mit der besonderen Note begeben, dem Preview-Konzert im Stadttheater Gießen. Diesmal war wieder Heike mit dabei, die das erste Mal in einem Preview-Konzert war und ich glaube, es ist sicherlich nicht das letzte Mal gewesen.

Die erste Frage von ihr war, wann müssen wir da sein? Gibt es eine Einführung? Und nein, in diesem Fall braucht es keine Einführung. Die Einführung ist das Konzert im Allgemeinen. Diesmal gab es, wie man unschwer an der Überschrift erkennen kann, Wagner. Unser Generalmusikdirektor Andreas Schüller erklärte Richard Wagner, um genau zu sein den Karfreitagszauber aus „Parsifal“. Schon bei den ersten Takten fiel mir auf, Wagner live zu hören und zu erleben ist ein Traum und nicht mit den Schallplatten aus der Schulzeit vergleichbar. Ich finde ihn sehr kraftvoll mit einer zarten Note.

Wenn dann Andreas Schüller so ganz nebenbei erzählt, dass z.B. Georg Bernhard Shaw oder Claude Debussy nach Bayreuth geschickt wurden, um einen Verriss über Wagner und die Festspiele zu schreiben, und als Wagnerfans wiederkamen, ist dies schon mal eine Meldung. Irgendwie kann ich es verstehen, denn zuhause über die eigenen Lautsprecher empfinde ich Wagner als, na ja sag ich mal grenzwertig. Wenn aber ein Philharmonisches Orchester auf der Bühne sitzt, dann ist Wagner wirklich interessant. Wenn einem dann noch ein Dirigent wie Andreas Schüller die Feinheiten von Wagners Parsifal erklärt und auch gerne mal die Opernstory erzählt, dann macht dies richtig Spaß und man ist wie gebannt von dem, was man erzählt bekommt.

Wenn er sich dann auch noch traut, sich ans Klavier zu setzen und Passagen zu singen, ziehe ich einfach den Hut und sage klasse! Ja, er ist sicherlich nicht so gut wie unsere Opernsänger und Sängerinnen oder unser Opernchor, aber gut anzuhören und ich finde dies völlig in Ordnung. Man merkt mit jeder Faser, wie wichtig ihm dieses Format ist. Er lockert damit diesen Abend auf. Ich habe bei mir in der Reihe einige Menschen sich nach vorne beugen sehen, damit sie noch ein paar Zentimeter näher an die Bühne rücken. Da sieht man Spannung und Faszination ganz deutlich.

Etwas was er bei dieser ganzen Erzählung rund um „Parsifal“ auch erwähnte, ist interessant für jeden Gießener. Viele wissen, dass wir einen Hermann-Levi-Saal im Rathaus haben, schließlich ist dieser Saal ja ein Konzertsaal. Aber ganz ehrlich, ich wusste gar nicht so genau wer dieser Hermann Levi war, und dass er von 1882 – 1896 die Wagnerfestspiele dirigiert hat, war mir auch nicht bekannt. Andreas Schüller erzählte, dass Hermann Levi die Uraufführung von besagtem „Parsifal“ 1882 in Bayreuth dirigiert hat. Danach musste ich erstmal über Hermann Levi ein wenig lesen und ich finde dies schon sehr erwähnenswert und sehe nun diesen Konzertsaal mit ganz anderen Augen, denn Hermann Levi war ein besonderer Operndirigent und auch Komponist.

Leider gab es eine Änderung im Plan. Da Annika Gerhards erkrankt war, konnten Joseph Marx „Ausgewählte Lieder für hohe Stimme und Orchester (1908-1912)“ nicht aufgeführt werden. Schade, denn ich hätte gerne etwas über Joseph Marx erfahren. Stattdessen wurde uns Ludwig van Beethoven die Ouvertüre aus „Egmont“ näher gebracht. Es war auch in diesem Fall sehr interessant, aber irgendwie bin ich doch eher immer wieder auf der Suche nach etwas Neuem. Diese immer wieder gespielten Stücke sind schön und ich kann es nachvollziehen, aber ich mag eher diese Momente, wo ich einen „neuen“ Komponisten kennenlerne, wie z.B. Julius Bittner. Sicherlich fragt ihr euch nun wer ist Julius Bittner? So ging es dem kompletten Publikum und auch mir war dieser Komponist nicht bekannt.

Seine Sinfonie Nr.1 in f-Moll war wirklich eine Bereicherung. Dass dieser Komponist sehr berühmt war und momentan einfach vergessen ist, kann ich nicht verstehen, zumal, und da muss ich Herrn Schüller mal wieder recht geben, er wie ein Filmmusikkomponist klingt. Ja, man merkt Ähnlichkeiten zu Wagner, aber er hat trotzdem etwas Besonderes, etwas, was mich angerührt hat, und ich würde gerne mehr von ihm erfahren und hören.

Komme ich nun zu einem Punkt den ich letztes Mal bemängelt habe und das war das Problem mit dem Mikrophon. Diesmal war es wirklich richtig gut. Ich weiß nicht was verändert wurde, aber jetzt war es so, dass ich sagen muss und will, genau so muss es sein.

Im Foyer gab es diesmal die Pausenfanfaren der Wagnerfestspiele, denn dort gibt es keinen Pausengong, sondern Pausenfanfaren und Kurt Förster, die Stellvertretende Solo Posaune, spielt seit 1990 im Festspielorchester in Bayreuth.

Als dann Frau Mecke noch eine kurze Geschichte vorgelesen hat, wie die Ausgrabungsarbeiten von Opern oder Musikern laufen, war ein besonderes Schmankerl an diesem Abend. Dies zeigte mal wieder, mit wie viel Humor Kulturschaffende gesegnet sind.

Es bleibt dabei, diese Preview-Konzerte sind sehens- und erlebenswert. Man bekommt schwere klassische Musik mit viel Humor und Feingefühl näher gebracht, viel besser als man es in einem doch teilweise sehr langweiligen Musikunterricht erfährt. Es ist auch vollkommen egal, wie alt man ist, man kann diese Abende als Jugendlicher, junger Erwachsene oder älterer Mensch erleben und verstehen. Vielleicht sieht man sich ja das nächste Mal auch in einem Preview-Konzert. Es würde mich sehr freuen.

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