Manchmal ist es toll ein Blogger zu sein. Da hat man auch mal die Chance, einen echt coolen Kinderfilm zu sehen. Es ist die Adaption der Kinderbuchreihe „Der Wunderweltenbaum“ oder im Englischen „The Faraway Tree“ von Enid Blyton. Diese Kinderbuchreihe besteht aus vier Bänden und ich muss schockiert sagen, ich kannte sie nicht. Warum, kann ich wirklich nicht sagen, aber ich bin fassungslos, da ich viele andere Bücher von Enid Blyton sehr schätze und als Kind gern gelesen habe.
Ich lernte also als einer der ersten die deutsche Fassung des Films kennen. Und es ist einfach wunderbar in schönes, klassisches Kino zu gehen. Also nicht die stylischen Kinopolis oder Cinemaxx oder wie diese Ketten auch immer heißen. Ich war im Cinema, einem Kino mitten in Frankfurt und ganz ehrlich, ich bin da sicherlich im Laufe meines Lebens schon etliche Male daran vorbeigelaufen, nur drin war ich vorher noch nie. Nun war ich drin und es war einfach schön! Es ist alles mit Liebe zum Detail gemacht. Nicht blank geputzt und Hochglanz schillernd, sondern alles schön muckelig. Die Preise sind ok für ein kleines Kino und die Angestellten freundlich.
Komme ich nun zum Film. Wir lernen als erstes Tim Thompson kennen, der von Andrew Garfield gespielt wird. Er liegt auf dem Sofa und schläft und träumt. Seine Frau Polly Thompson, gespielt von Claire Foy, kommt rein und offenbart ihm, dass sie gekündigt hat, da der Kühlschrank, den sie entwickelt hat, eine Kamera beinhaltet und sie ausspioniert und filmt.
Die beiden überlegen, was sie nun machen. Sie wollen sich jetzt einen ihrer Träume erfüllen und ziehen aufs Land, um dort Tomaten zu pflanzen und daraus eine besondere Tomatensoße machen. Dann werden auch die Kinder vorgestellt: Fran (Billie Gadsdon) die jüngste, die nicht redet und nur online liest und Musik hört, der Sohn Joe (Phoenix Laroche), der von seinem Vater schon als Cyborg bezeichnet wird und Beth (Delilah Bennett-Cardy), die sich auch nur online rumtreibt. Also mehr oder weniger typische Kinder, die ihr Leben online verbringen. Dabei triggert mich die Frage, wie war das im Buch, das lange vor dem digitalen Zeitalter, nämlich 1939 geschrieben wurde. Muss ich mal nachlesen, aber zurück zum Film.
Und somit zieht die Familie aufs Land und damit meine ich wirklich aufs Land! Es ist ein Landstrich, wo man kein Netz hat und dann auch noch in eine baufällige Scheune ohne Strom. Dies führt zu einigen lustigen Sequenzen. Gerade Fran fühlt sich aber irgendwie sehr wohl dabei. Sie hat auch als erstes Kontakt mit der Fee Silky (Nicola Coughlan), die ihr auch einen Brief zustellt und ihr den Weg zum Wunderbaum beschreibt. Alleine dieser Weg und das Erleben des Wunderbaums ist einfach von einer schönen Fantasie geprägt.
Da lernt man dann auch Mondgesicht (Nonso Anozie) kennen, der einfach nur durch eine wunderschöne Mondfrisur besticht und gelegentlich ein wenig verpeilt ist. Dann gibt es den Pfannenmann (Dustin Demri-Burns), der überall Pfannen als Kleidung hat, dazu noch Dame Washalot (Jessica Gunning), die immer wieder ihren Waschzuber ausleert und auch mitteilt, welches Land an den Wunderweltenbaum anlegt. Es gibt z.B. ein Land voller Süßigkeiten, oder das Land wo man immer Geburtstag hat. Jedes Land hat so etwas Besonderes.
Man muss beim Ablegen auch immer in der Schleuse zur Leiter sein, ansonsten bleibt man in diesem Land. Fran war da schon sehr knapp davor. Sie darf auch danach den Wald nicht mehr alleine ohne ihre Geschwister besuchen. Irgendwann überzeugt sie dann doch auch ihre älteste Schwester Beth und ihren Bruder, die sich ohnehin gerade langweilen, da in der Scheune das mit dem Strom und dem Netz nicht wirklich funktioniert, mitzukommen.
Dass Beth da am skeptischsten ist und dann eine tragende Rolle erhält, wie auch der Bruder Joe ist schon fast klar, genauso, dass ihre Eltern auch langsam wieder mehr zusammenfinden. Es ist ein klassischer Jugendfilm.
Es nimmt auch zwischendurch immer wieder etwas Fahrt auf und man wird teilweise ein wenig an „Harry Potter“ oder auch die „Unendliche Geschichte“ erinnert. Ich verliebte mich ein wenig in den tollpatschigen aber liebenswerten Vater, der auch ein wenig in seiner eigenen Welt lebt.
Für mich ist es ein Film, den ich als Kind sicherlich geliebt hätte und der mein inneres Kind heute zum Leben erweckt hat. In meinen Augen hat man Enid Blyton ins hier und heute geholt, ohne ihre Fantasie zu vergessen.
Ich saß in der Vorführung und hatte mal leicht feuchte Augen genauso, wie ich teilweise Lachen musste. Es ist ein Film, für Kinder ab 8 Jahren, nicht wegen des Themas, sondern wegen der Länge des Films. Bei fast zwei Stunden braucht man schon etwas Sitzfleisch.
Wenn ihr Fantasie mögt, und ihr einfach mal schön unterhalten werden wollt, dann schaut euch diesen Film an. Er lässt mein inneres Kind richtig aufblühen und wenn dies passiert bei Büchern, Theater oder nun in einem Kinofilm, dann ist es immer ein tolles Erlebnis. Die Figuren sind einfach schön, dazu die Musik und die Story, so etwas sollte man als Kind sehen und erleben. Und bitte erlebt dies gemeinsam im Kino, damit man einfach mal abschaltet, genauso wie Fran, Beth und auch Joe in der Scheune irgendwo im nirgendwo in England, denn dann kann die Fantasie so richtig aufblühen und man wird nicht von irgendwas abgelenkt. Dazu vielleicht noch in einem schönen Kino und ich wünsche, dass Wunderbares bei „Der Wunderweltenbaum“ passieren kann.