[Kino] „PRIMETIME“: Robert Pattinson als Mann, der das Fernsehen für immer verändert
Robert Pattinson in seiner bislang intensivsten Rolle: Als Investigativjournalist Chris Hansen jagt er in „PRIMETIME“ Kriminelle vor laufender Kamera – bis die Jagd zur Obsession wird. Weltpremiere feiert der Film im Wettbewerb der 83. Filmfestspiele von Venedig, ab 24. September 2026 läuft er in den deutschen Kinos.
Wie weit darf eine TV-Show gehen, wenn der Zweck die Mittel heiligt? Diese Frage steht im Zentrum von „PRIMETIME“, einem Thriller, der auf wahren Begebenheiten basiert und einen Fall aufgreift, der Fernsehgeschichte schrieb: den Skandal um das US-amerikanische Format „To Catch a Predator“, das 2006 weltweit Diskussionen über journalistische Verantwortung und die Grenzen medialer Inszenierung auslöste. LEONINE Studios bringt den von A24 produzierten Film am 24. September 2026 in die deutschen Kinos – kurz nachdem er im Wettbewerb der Internationalen Filmfestspiele von Venedig seine Weltpremiere gefeiert hat.
Im Zentrum steht Robert Pattinson, den man zuletzt in „Das Drama – Noch mal auf Anfang“, „The Batman“ und „Tenet“ gesehen hat. Für „PRIMETIME“ liefert er seine bislang abgründigste Rolle: Er spielt Chris Hansen, das Gesicht von „To Catch A Predator“, jenem Reality-Format, das Pädophile mit Lockvögeln in die Falle lockt und sie vor laufenden Kameras bloßstellt. Was als moralischer Kreuzzug beginnt, kippt zusehends – aus dem Journalisten wird eine Machtmaschine.
USA, Mitte der 2000er-Jahre: Hansen, seine Producerin Andie (Merritt Wever) und der junge Schauspieler Dan (Skyler Gisondo), der die Lockvögel spielt, steigern Druck und Erfolg gemeinsam bis zur Obsession. Während Hansen zunehmend von dämonischen Visionen heimgesucht wird, führt die Jagd nach dem ultimativen „Wal“ – einem besonders prominenten Täter – das Team schließlich ins konservative Texas. Was dort geschieht, wird das Fernsehen für immer verändern.
Regie führt Lance Oppenheim nach einem Drehbuch von Ajon Singh. Neben Pattinson, Gisondo und Wever sind Anna Faris und Bokeem Woodbine zu sehen. Dass ausgerechnet Pattinson, einer der profiliertesten Charakterdarsteller seiner Generation, diese Figur verkörpert, verspricht ein Porträt, das weit über eine reine True-Crime-Nacherzählung hinausgeht: das eines Mannes, dessen Streben nach Gerechtigkeit zunehmend von Ehrgeiz und wahnhafter Obsession überschattet wird.
Der Trailer, den ihr hier anschauen könnt, gibt bereits einen Eindruck davon, wie nah „PRIMETIME“ an die reale Vorlage herangeht – und wie unbequem die Geschichte bleibt, fast zwanzig Jahre nach dem echten Fall. Denn die Fragen, die der Film aufwirft, haben nichts von ihrer Brisanz verloren: Wo endet der investigative Journalismus, wo beginnt die Inszenierung? Und was passiert mit einem Menschen, der beides irgendwann nicht mehr auseinanderhalten kann?
Dass „PRIMETIME“ seine Weltpremiere ausgerechnet im Wettbewerb von Venedig feiert, unterstreicht den Anspruch des Films: kein reißerisches Skandal-Kino, sondern eine ernsthafte Auseinandersetzung mit einem Kapitel amerikanischer Fernsehgeschichte, dessen Schatten bis heute reichen.