Music Forge

[Festival] Metalheads mit Rückgrat: Das Music Forge als Ort der Verbindung

Wer mich kennt, weiß: Bei Musik darf’s ruhig hart zur Sache gehen. Und genau deshalb ist das Music Forge für mich mehr als ein Pflichttermin — es könnte ein heimliches Ritual werden. Eigentlich war ich beruflich unterwegs, wegen der Zusammenarbeit zwischen der Kulturloge Gießen und dem Festival, aber wenn ein Geschäftstermin bei einem Festival gut läuft, dann wird er gern mal länger. Sehr gern. Vor allem, wenn Dark Days aus Gießen die Bühne zerlegt und dieser natürliche Muskelzucken in mir wieder auftaucht. Metalcore/Deathcore rein und das Adrenalin macht den Rest — hätte gern noch ein bisschen lauter sein können, aber hey: besser zu spät taub als nie.

Das Infield im Waldschwimmbad in Lich füllt sich schnell. Innerhalb kürzester Zeit war es wie nach Hause kommen: Leute, die du vielleicht nie zuvor gesehen hast, aber die dieselbe Sprache sprechen — die Sprache von Bass im Bauch, von gebogenen Nackenhälsen und ehrlicher Energie. Das ist dieser Moment, in dem die Community sichtbar wird. Metalheads sind großartige Menschen, das hab ich in Jahrzehnten Festivalleben gelernt: respektvoll, offen, hilfsbereit. Niemand steht allein, im Moshpit oder daneben. Und genau diese Atmosphäre macht das Music Forge besonders — nicht irgendein Krawall-Event, sondern ein Ort, an dem laute Musik und soziales Rückgrat Hand in Hand gehen.

Doppelbock hat mich sofort erwischt. Volltreffer. Ich war Feuer und Flamme und habe dabei prompt meine altbekannte Achillesferse gespürt — ja, ich hab die Bänder öfter dezent gedehnt, mein Hausarzt kennt das Thema. Trotzdem war ich kurz weggetreten vor Freude, hab mich gehen lassen und ja, irgendwann umgeknickt. Fuß dick? Check. Scheiß passiert? Auch check. Aber so ist das Leben: ein bisschen Schmerz gehört zu den besten Abenden dazu, vor allem, wenn du am Ende sagen kannst, dass du dabei warst. Und ich weiß jetzt schon: 2027 bin ich wieder da — Freitag und Samstag. Keine Ausreden.

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Was mich am Music Forge beeindruckt, ist das Mindset hinter der Sache. Das Festival wird vom MUSIC FORGE Kultur & Kunst e. V. getragen, und das ist spürbar: „Von Musikern für Musiker“ ist kein leeres Statement. Faire Bezahlung, kein Pay-to-Play, Förderung von Nachwuchs — das sind nicht nur Buzzwords, das ist Haltung. Und Haltung merkt man im Line-up, in der Spielweise mit lokalen und internationalen Acts, und in dem Respekt, mit dem die Orga die Szene behandelt. Das zieht Leute an, die nicht nur konsumieren wollen, sondern die Szene schützen und weiterentwickeln möchten.

Barrierefreiheit und Inklusion sind hier keine Afterthoughts. Das Infield ist barrierefrei erreichbar, auf dem Campingplatz gibt’s entsprechende Toiletten, und wenn jemand Medikamente kühl benötigt, gibt’s Ansprechpartner. Noch wichtiger: eine klare Null-Toleranz-Politik gegen Diskriminierung gekoppelt mit einem Awareness-Team, das sichtbar ist und handelt. Metality und die Deutsche Depressionsliga sind mit im Boot — also nicht nur laute Musik, sondern auch Unterstützung, wenn’s mal leiser wird und jemand Hilfe braucht. Das kombiniert die rohe Energie von Metal mit echter Verantwortung. Extreme Musik, nice People — passt.

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Und dann diese kleine, richtige Festivalstruktur: Pubstage mit überraschenden Acts wie Irish Folk neben dem härtesten Metal, regionale Newcomer neben etablierten Namen — früher schon Bands wie Callejon, Emil Bulls oder Annisokay auf der Bühne. Das zeigt, dass das Festival nicht in irgendwelchen Genregrenzen kleben bleibt, sondern mutig mischt. Gerade das macht das Line-up spannend: man kommt für eine Band und bleibt wegen der Gemeinschaft, den Entdeckungen und den Leuten, die man trifft.

Für mich ist das Music Forge eine Mischung aus Heimat und Labor: vertraut, weil die Menschen denselben Kodex teilen; experimentell, weil neue Bands und Ideen Platz haben. Ich kann an einem Abend zwei Bands verpassen und trotzdem das Gefühl haben, alles mitbekommen zu haben, weil die Energie überall ist — im Pit, am Tresen, auf dem Campingplatz. Genau deshalb verdient das Festival mehr Aufmerksamkeit, mehr Support und definitiv meine Anwesenheit in 2027. Freitag und Samstag, Notiz an mich: Fuß stabilisieren, Ohrstöpsel optional (oder eben nicht), Herz auf Durchzug.

Am Ende bleibt dieses eine Gefühl: Leute, die so laut sind wie ihre Musik und trotzdem leise füreinander da sein können. Wenn du beim Music Forge stehst, ist es egal, ob du von nebenan kommst oder aus der Provinz — du gehörst dazu. Und das ist in einer Welt, die oft viel zu laut ist, ein ziemlich cooler Kontrast. Ich freu mich jetzt schon, wieder in dieses Infield zu gehen, den Bass zu fühlen, neue Freunde zu machen und alte Blessuren stolz zu präsentieren. Bis 2027 — dann zwei Tage durchziehen, laut, nah, echt.

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