Thriller

  • LITL805 [Buchrezension] Eric Sandner – Die letzte Wahl: Thriller über Demokratie und Populismus

    In der Besprechung wird der Thriller „Die letzte Wahl“ von Eric Sandner vorgestellt. Im Mittelpunkt steht der Journalist Nicolas Moor, der mit seiner Tochter in einem abgelegenen Berghotel Urlaub macht und dort zufällig mit einer Drohne ein geheimes Treffen der rechtspopulistischen Volkspartei filmt.

    Die Aufnahmen enthalten laut Text brisante Hinweise auf Umsturzpläne nach einem erwarteten Wahlsieg. Als der Sicherheitsdienst der Partei die Drohne bemerkt, beginnt eine Verfolgung. Die Partei versucht anschließend, den Besitzer der Drohne zu identifizieren und die Spuren zu beseitigen.

    Der Text beschreibt die Volkspartei als Machtapparat mit charismatischem Parteiführer Markus Hartwig, einem harten Sicherheitsdienst und einer Liste politischer Gegner. Außerdem wird erwähnt, dass Hintermänner im Hintergrund die Fäden ziehen und dass Nicolas beruflich diskreditiert wird, nachdem die Partei seine Verbindung zu den Aufnahmen vermutet.

    In der persönlichen Einschätzung wird betont, dass das Buch Politik und Fiktion eng miteinander verbindet und dabei an aktuelle populistische Tendenzen erinnere. Der Sprecher hebt hervor, dass das Buch zum Nachdenken über Demokratie, Eigenverantwortung und den Schutz demokratischer Strukturen anregen solle.

    Am Ende wird dazu aufgerufen, sich mit solchen Themen auseinanderzusetzen, gemeinsam gegen Hass einzutreten und wählen zu gehen. Genannt werden außerdem der Titel, der Autor sowie der Verlag und der Hinweis, dass das Buch als E-Book erhältlich ist.

  • LITL798 [Buchrezension] Zwischen Himmel und Schatten: Robert Harris’ „Vergeltung“

    Der aktuelle Podcast widmet sich Robert Harris’ Roman „Vergeltung“ – einem Buch, das den November 1944 mit beklemmender Präzision zurückholt. Während das Deutsche Reich in einer letzten verzweifelten Offensive die neu entwickelte V2-Rakete gegen England einsetzt, schildert Harris die Ereignisse aus zwei Perspektiven:
    den deutschen Ingenieur Rudi Graf, der im besetzten Holland die Starts überwacht, und die britische Offizierin Kay Caton Walsh, die einen Einschlag in London nur knapp überlebt.

    Was die Besprechung besonders hervorhebt: Der Sprecher ging zunächst mit Vorbehalten an das Thema heran – zu technisch, zu militärisch, zu oft erzählt. Doch Harris gelingt es, ihn schnell zu überzeugen. Der Roman zeigt beide Seiten des Krieges, ohne in einfache Schwarz-Weiß-Muster zu verfallen. Graf erscheint als idealistischer Wissenschaftler, der längst zwischen Pflicht, Schuld und Ernüchterung zerrieben ist. Kay dagegen verkörpert die Entschlossenheit der WAAF, eine Frau, die ihren Dienst mit Mut und Klarheit versieht.

    Sehr eindrücklich wird die Atmosphäre beschrieben: Harris’ Schauplätze – Peenemünde, Scheveningen, Mechelen, das bombardierte London – wirken so plastisch, dass man sich mitten hineinversetzt fühlt. Die Spannung ist konstant spürbar, die Stimmung düster, aber nie effekthascherisch. Obwohl der Roman nicht brutal erzählt ist, rücken einem die Figuren erstaunlich nahe. Auch die Nebenwelten des Krieges – SS, Offiziere, Zwangsarbeiter, die erschöpfte Bevölkerung in Belgien und England – sind präsent, ohne dass Harris sie überzeichnet.

    Am Ende bleibt für den Sprecher vor allem eines: „Vergeltung“ geht unter die Haut. Der Roman zeigt die Komplexität des Krieges, ohne einfache Rollen zu verteilen. Keine „bösen Deutschen“ gegen „gute Engländer“, sondern Menschen in Extremsituationen, gefangen zwischen Moral, Überzeugung und Überleben.

    „Vergeltung“ erschien 2020 und ist für ihn ein herausragender Roman, der historische Spannung mit menschlicher Tiefe verbindet.

  • LITL793 [Interview] Von Krimis zu Thrillern: Romy Fölck im Gespräch über ihren neuen psychologischen Pageturner Fünf Fremde

    In einem fesselnden Interview zwischen Markus Eggert von LiteraturLounge.eu und der Autorin Romy Fölck geht es um ihren neuesten Thriller „Fünf Fremde“. Fölck, die zuvor für ihre Kriminalromane bekannt war, beschreibt ihren Ansatz, einen psychologischen Thriller zu schreiben, und erklärt, dass es höchste Zeit war, etwas Neues auszuprobieren. Sie hat über zwei Jahrzehnte lang klassische Krimis geschrieben und verspürte den Wunsch, in die Welt der Thriller einzutauchen, insbesondere um die Spannung und die psychologischen Aspekte stärker zu betonen.

    Eggert äußert seine Bewunderung für die Erzählweise von Fölck und stellt Fragen zur Inspiration hinter dem Setting der Geschichte, das auf der kleinen, wenig bekannten Insel Neuwerk spielt. Fölck erzählt, dass sie die Insel durch eine Freundin entdeckte und sofort von der Idee eines „Locked-Room“-Szenarios begeistert war, da sie nur begrenzten Zugang zur Außenwelt hat, insbesondere während eines herannahenden Orkans. Fölck nutzt die Geografie und das Wetter als zusätzliche Elemente des Unheimlichen und als antagonistische Kräfte, die die Isolation der Charaktere verstärken.

    Ein zentraler Punkt des Gesprächs ist das verschwundene Kind, ein Ereignis, das als Albtraum für jeden Jugendgruppenleiter oder Lehrer gilt. Fölck reflektiert über die Verantwortung von Lehrern und die emotionalen Belastungen, die damit verbunden sind, wenn etwas Schreckliches passiert. Die Rückkehr der Lehrerin Charlotte, die in die Ereignisse involviert war, stellt eine wichtige Verbindung zwischen der Vergangenheit und der Gegenwart her. Während des Interviews wird deutlich, wie sehr solche Traumata das Leben der Protagonisten geprägt haben und sie auch in ihren aktuellen Entscheidungen beeinflussen.

    Romy Fölck erzählt, wie die Demenz von Annikas Mutter Hedda, die sich oft in der Vergangenheit verliert, ein weiterer emotionaler Anker in der Erzählung ist. Fölck beschreibt, wie zutiefst schmerzhaft es für Angehörige ist, jemanden zu sehen, der in eine andere Welt abtaucht, und behandelt dieses sensible Thema mit viel Empathie. Diese emotionalen Themen sind nicht nur wichtig für die Entwicklung der Charaktere, sondern auch für die Leserschaft, da sie Nachvollziehbarkeit und Mitgefühl schaffen.

    Eggert und Fölck diskutieren auch die Dynamiken zwischen den fünf zentralen Charakteren, die geheimnisvolle Verbindungen zueinander haben und deren gemeinsame Geschichte in der Vergangenheit sie verbindet. Fölck erklärt, dass die Charaktere nicht nur gemeinsam Kinder waren, sondern auch Geheimnisse und Narben tragen, die ihre Beziehung zueinander komplex machen. Es wird betont, wie die Rückkehr zu früheren Bekanntschaften sowohl Vertrautheit als auch Angst vor dem Entblößen ihrer Geheimnisse mit sich bringt.

    Ein weiterer interessanter Aspekt des Interviews ist der erzählerische Aufbau des Buches. Fölck nutzt verschiedene Perspektiven, um die Handlung voranzutreiben und den Leser in die Gedanken und Emotionen der Charaktere einzuführen. Diese Technik sorgt dafür, dass die Spannung kontinuierlich steigt, da jede Perspektive neue Informationen und Fragestellungen bringt. Eggert zeigt Interesse an der Herausforderung, verschiedene Perspektiven zu beschreiben und wie es gelingt, die Leser hierdurch in die Geschichte zu ziehen.

    Zusammenfassend verbindet Fölck in „Fünf Fremde“ psychologischen Thriller mit emotionalen und nostalgischen Elementen, die sowohl die Charaktere als auch die Leser ansprechen. Das Interview verdeutlicht die Leidenschaft der Autorin für das Schreiben und ihre besten Wünsche an die Leser, nicht nur ein fesselndes Buch zu erleben, sondern auch sich mit der eigenen Jugend und den damit verbundenen Erinnerungen auseinanderzusetzen.

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    [Rezension] Fünf Fremde – Romy Fölck

    Fünf Fremde – Ein düsterer Krimi, der mit unerwarteten Wendungen überrascht

    Klappentext: Die Wellen peitschen gegen die Fähre, als fünf Passagiere an einem stürmischen Oktobertag die Insel Neuwerk in der Nordsee erreichen. Für vier von ihnen ist es die Rückkehr an einen Ort, der dunkle Erinnerungen wachruft. An einen Sommer vor dreißig Jahren, in dem zwei Teenager spurlos aus dem Schullandheim verschwanden. Auch damals waren die…