Erinnerungskultur

  • [Theater] Drei Stunden, die einen nicht mehr loslassen – „Jakob der Lügner“ in Gießen

    Die erste Premiere der Spielzeit im Stadttheater Gießen war „Jakob der Lügner“. Die Einführung von Tim Kahn war wie gewohnt. Er schafft es immer wieder, einen zu catchen und einem gleichzeitig alles zu erklären. Es ist interessant, dass dieser Stoff ursprünglich als Drehbuch gedacht war, die DEFA aber ablehnte. Erst nach der Buchveröffentlichung wurde er…

  • LITL794 [Buchrenzension] Ein Buch, das Geschichte lebendig macht: Michael Wolffsohns ‚Wir waren Glückskinder

    In dieser Episode sprechen wir mit Michael Wolffsohn über sein Buch „Wir waren Glückskinder, trotz allem“, das eine gefühlvolle und lehrreiche Familiengeschichte erzählt, die durch die deutsche Geschichte des 20. Jahrhunderts geprägt ist. Wolffsohn beschreibt die Flucht seiner Mutter, Thea Saalheimer, im Jahr 1939 vor dem Naziterror nach Tel Aviv und dokumentiert ihren späteren Neuanfang in Israel. Er gibt einen tiefen Einblick in die Gefühlswelt seiner Familie während der nationalsozialistischen Zeit und beleuchtet die komplexen Fragen der Identität und der Rückkehr nach Deutschland.

    Wir diskutieren, wie die Saalheimers und Wolffsohns das Leben in einer für sie feindlichen Welt navigierten. Theas Kindheit in Bamberg wird lebendig, wenn Michael die starken familiären Bindungen und ihre kulturellen Wurzeln beschreibt. Die Darstellung der beiden Großeltern, Justus und Gretel, zeigt, wie Warmherzigkeit und Strenge im Familienleben koexistieren. In seinen Erzählungen wird das jüdische Leben mit den Einflüssen ihrer katholischen Nachbarn verwoben, was die Herausforderungen und die Ambivalenz ihrer Identität widerspiegelt.

    Ein zentraler Punkt der Diskussion ist die Analyse von Theas Schulzeit und den Restriktionen, die sich auf jüdische Jugendliche auswirkten, als sie gezwungen waren, jüdische Schulen zu besuchen. Michael spricht auch die traumatischen Erfahrungen during der Reichskristallnacht an und vermittelt eindrucksvoll, wie diese Ereignisse die Flucht seiner Familie nach Britisch-Palästina initiierten. Hierbei bietet er Perspektiven auf die Konflikte innerhalb der Region und die Herausforderungen, die die deutschen Juden in einem neuen, unbekannten Land erlebten.

    Darüber hinaus beleuchtet Wolffsohn die Unterschiede zwischen den Familien Saalheimer und Wolffsohn, unter anderem den Wohlstand der Wolffsohns, die als Familie mit Besitz und Einfluss in der deutschen Gesellschaft lebten. Die Gespräche reichen von der Abnahme aller Besitztümer bis hin zur Schilderung des Lebens unter britischer Herrschaft in Palästina, während die Spannungen zwischen verschiedenen ethnischen Gruppen in der Region stetig anstiegen.

    Wolffsohn nutzt einen zugänglichen, empathischen Schreibstil, der besonders für Jugendliche ansprechend ist. Er vermittelt historische Fakten und persönliche Geschichten gleichermaßen auf eine Weise, die Wissen fördert und Verständnis schafft. Während wir das Buch und seine Inhalte detailliert erkunden, erkennen wir auch die Relevanz dieser Geschichte für die heutige Zeit und die Notwendigkeit, die vielfältigen Geschichten des jüdischen Lebens zu verstehen und zu würdigen.

    Abschließend hebt Michael hervor, wie wichtig es ist, Brücken zwischen verschiedenen Glaubensgemeinschaften zu bauen und Vorurteile abzubauen. Seine Einladung, den jüdischen Glauben und die Kultur besser kennenzulernen, endigt in der Überzeugung, dass dies zu einer gerechteren und empathischeren Gesellschaft führen kann. „Wir waren Glückskinder trotz allem“ ist nicht nur eine Erzählung über leidenschaftliche Erinnerungen, sondern auch ein Aufruf zur Reflexion über die deutsche Geschichte und die Lehren, die wir daraus ziehen sollten.

  • [Gießen] Haltung zeigen gegen das Vergessen: Ein Weckruf aus den Straßen Gießens

    Irgendwie reißen die schwierigen Themen nicht ab. Heute hatte ich etwas Besonderes, was nicht direkt im Stadttheater stattfand: Ein Audiowalk mit dem Titel „Von Gießen nach Theresienstadt“. Am 13.02.2026 versammelten sich zwei Gruppen im Kassenraum des Stadttheaters. Alle waren gespannt. Es herrschte eine gespannte, fast freudige Erwartung. Wir wollten etwas (für einige) Neues aus der…

  • [Hinweis] Zuhören und Erinnern: Ein Audiowalk auf den Spuren der letzten Deportation „Von Gießen nach Theresienstadt“

    Es ist ein erschütterndes Stück Stadtgeschichte und wichtiger Teil der Erinnerungskultur. Miteinem Audiowalk unter den Titel „Von Gießen nach Theresienstadt – die letzte Deportation“schaffen die Historikerinnen Randi Becker und Michelle Damm in Zusammenarbeit mit demStadttheater Gießen eine besondere Form der Aufarbeitung der Rolle des Stadttheaters Gießen inder NS-Zeit. „Ich bin froh, dass uns durch diese…