Erinnerungskultur

  • [Theater] „Dumme Jahre“ in Gießen: Warum DDR-Geschichte kein reines Ost-Thema ist und dieses Stück uns alle fordert

    Das letzte Mal 2025 ins Theater und es stand „Dumme Jahre“ auf dem Programm. Der Dramaturg Tim Kahn machte die Einführung. Er erzählte davon, wie das Stück entstanden ist und worum es in dem Stück auch geht. Das Stück enthält viele Zeitsprünge in die 1968er Jahre oder 1981, auch mal in die 70er Jahre und…

  • LITL755 [Podcast] Von Königsberg bis 80‘ – Warum Margitta Sünwoldts Lebensgeschichte heute wichtiger ist denn je

    In dieser Episode befasse ich mich mit der Rezension des Buches „Von Königsberg bis 80“ von Margitta Sünwoldt. Das Buch gibt einen tiefen Einblick in das bewegte Leben der Autorin, die zu Beginn des Interviews über ihre Erlebnisse als junge Frau im Krieg und die damit verbundenen Herausforderungen berichtet. Margitta zeigt sich zunächst skeptisch gegenüber dem Journalisten, doch im Verlauf des Gesprächs entfaltet sich eine beeindruckende Erzählung über ihre Flucht aus Ostpreußen und den Verlust von Heimat.

    Die autobiografischen Erinnerungen beginnen mit einer unbeschwerten Kindheit in Königsberg und dem prägenden Ort Palmnicken. Die Darstellung der Flucht im Jahr 1945 ist dramatisch. Margitta beschreibt eindrücklich ihre Ankunft am Hafen von Pilau und das ergreifende Glück, auf ein Schiff zu gelangen. Doch auch inmitten der Schrecken findet sie Raum für Erinnerungen an ihre erste Liebe, die durch Vorurteile und gesellschaftliche Unsicherheiten auf eine tragische Weise beeinträchtigt werden. Diese Punkte führen zu einer Reflexion über die Flüchtlingsproblematik und die Parallelen zur heutigen Zeit.

    Ein bedeutender Teil der Erzählung widmet sich Margittas Ehen und der Herausforderung, als alleinerziehende Mutter von zwei Kindern zu leben. Ihre Liebe zu den Kindern wird spürbar, und sie bleibt nicht von Themen wie Depression und familiären Auseinandersetzungen unberührt. Die Autorin erzählt von Menschen mit großem Herzen, die in schwierigen Zeiten Unterstützung bieten, und kontrastiert diese Lichtblicke mit den dunklen Kapiteln der Geschichte, wie dem Massaker von 3000 Juden in Palmnicken kurz vor Kriegsende.

    Diese Erlebnisse sind nicht nur persönliche Erinnerungen, sondern auch eine Mahnung an die Gesellschaft, dass solche Gräueltaten niemals wieder geschehen dürfen. Angesichts der wenigen Zeitzeugen des Zweiten Weltkriegs ist das Buch von Margitta Sünwoldt ein wichtiges Zeugnis, das den Leser dazu anregt, über die eigene Haltung gegenüber Flüchtlingen und gesellschaftlicher Ausgrenzung nachzudenken.

    Ich lade alle ein, dieses bewegende und persönliche Buch zu lesen, um sich der Geschichte bewusst zu werden und die Lehren daraus ernst zu nehmen. „Von Königsberg bis 80“ ist im Medu Verlag erschienen und bleibt ein wertvolles Werk, das auch heute noch von großer Relevanz ist.

  • LITL377 [Podcast] Licht in der Dunkelheit: Michael Wolffsohn über jüdische Geschichte und Hoffnung

    Im Interview spricht Michael Wolffsohn über sein Buch, das sich mit der jüdischen Identität und der Geschichte der Juden während des Dritten Reiches auseinandersetzt. Er betont, dass trotz des ernsten Themas eine zugängliche, lockere Sprache gewählt wurde, um Kinder und Jugendliche anzusprechen, ohne die Schwere der Inhalte zu verharmlosen. Wolffsohn erzählt, dass die Motivation für das Schreiben aus der Neugier seines Enkels Noah erwuchs, der mehr über Juden und die Geschichte des Nationalsozialismus wissen wollte. Diese persönliche Verbindung verleiht dem Themenkomplex eine familiäre Dimension und zeigt, dass das Gespräch über schwierige Themen in einem familiären Kontext stattfinden kann.

    Wolffsohn reflektiert über seine eigene jüdische Herkunft und die gemischte religiöse Identität seiner Familie. Er hebt hervor, dass in einer offenen Gesellschaft nicht nur Wissen über andere Religionen notwendig sei, sondern auch die Akzeptanz der Andersartigkeit. Er verknüpft seine Ansichten mit einem Zitat von Walter Dirks, dass der Andere anders ist, jedoch auch einem ähnlichen Menschsein angehört. Diese Einsicht erachtet er als fundamental für das Verständnis und die Koexistenz zwischen verschiedenen Kulturen und Glaubensrichtungen.

    Im Verlauf des Gesprächs wird das schwierige Verhältnis zwischen der jüdischen und nichtjüdischen Gesellschaft angesprochen. Wolffsohn thematisiert die ständigen Herausforderungen, die Juden und andere Minderheiten in historischer sowie gegenwärtiger Zeit erfahren. Besonders betont er die Gleichwertigkeit und Wichtigkeit der großen Religionen, die sich mit grundlegenden Menschheitsfragen auseinandersetzen. Der Austausch über Religion wird als essenziell für das Verständnis und die Toleranz in der Gesellschaft gesehen.

    Wolffsohn erzählt Anekdoten über seine Familie, darunter die beeindruckende Figur seiner katholischen Lehrerin, die bereits frühzeitig die Gefahren des Nationalsozialismus erkannte und ihre jüdischen Schülerinnen warnte. Er bringt die Zuhörer dazu, die Komplexität der menschlichen Erfahrungen zu verstehen, die oft zwischen Licht und Dunkelheit angesiedelt sind. Des Weiteren reflektiert er über die Bedeutung der Präsenz von Juden in der deutschen Kultur und deren untrennbare Verbindung zur deutschen Geschichte.

    Auf die Frage nach der gegenwärtigen politischen Situation, insbesondere der Rückkehr nationalistischer Strömungen und dem Einfluss des militanten Islams, äußert Wolffsohn seine Besorgnis über die Gefahren, die sowohl Menschen jüdischen Glaubens als auch der Gesellschaft insgesamt drohen. Er warnt davor, zwischen verschiedenen Extremismen zu unterscheiden, da diese Kräfte oftmals in ihren Vorurteilen und Feindseligkeiten einander bedingen.

    Das Gespräch schließt mit der Bemerkung Wolffsohns, dass er den Lesern seines Buches eine positive Botschaft mitgeben möchte: In der Dunkelheit gibt es immer noch Licht. Er ermutigt dazu, die menschlichen Ähnlichkeiten und die Vielfalt des Lebens zu erkennen, um Toleranz und Verständnis zu fördern. Wolffsohn wünscht sich, dass das Buch die jüngere Generation inspiriert und zum Dialog anregt.

  • LITL012 [Podcast] Zwangsadoption, Identität, Erinnerung – Ulla Mothes über 'Geteilte Träume'

    Im Interview spricht Ulla Mothes, die Autorin des Buches „Geteilte Träume“, über die Entstehung und die tiefergehenden Themen ihres Werks. Mothes erklärt, dass sie mit dem Schreiben des Buches einen Auftrag erhalten hat, der sich auf eine Familiensaga mit einem DDR-Hintergrund konzentriert. Diese Entscheidung war verbunden mit der bevorstehenden Gedenkzeit zum 60. Jahrestag des Mauerbaus…