dtv Verlag / Reihe Hanser

  • LITL790 [Buchrezension] Geister der Ardennen: Linus Geschkes 'Engelsgrund' entzaubert

    In dieser Episode befasse ich mich intensiv mit dem Buch „Engelsgrund“ von Linus Geschke. Der Klappentext stellt bereits die düstere Prämisse vor: Es handelt sich um eine gefährliche Jagd zwischen Jäger und Gejagtem, die in einem spannenden Thriller entfaltet wird. Im Zentrum steht Carla Diaz, die, tief besorgt um das Leben ihrer Tochter Malin, als frühere Kollegin von Bond an den Ex-Polizisten Alexander Born herantritt. Zwei junge Frauen, die der Sekte Cernunnos angehörten, wurden brutal ermordet aufgefunden, und Carla befürchtet, dass auch Malin das nächste Opfer sein könnte.

    Die düstere Atmosphäre wird durch die Handlungsorte untermalt; das Setting in den Ardennen, wo ein ehemaliges Sanatorium als Hauptquartier der Sekte dient, steigert die Spannung und gibt dem Leser das Gefühl, Teil dieser bedrohlichen Welt zu sein. Mein persönlicher Eindruck von Geschkes Stil ist durchweg positiv. Die komplexe Beziehung zwischen den Charakteren und die psychologischen Elemente der Sekte werden geschickt verwoben, während die Erzählung durch temporeiche Wendungen begeistert.

    Als Borns Rückholmission misslingt, wird das Geschehen noch vielschichtiger, da Born sich dazu entschließt, den Kriminellen André Wolkow um Hilfe zu bitten. Die Spannung steigt, als sich Wolkow mit einem jungen Killer zusammen tut, der sich als Russlanddeutscher in die Sekte einschleicht. Dabei wird die Erzählung durch doppelte Spiele und persönliche Konflikte der Charaktere bereichert. Wolkows Handlungen scheinen nicht nur aus Altruismus motiviert zu sein, da er seine eigenen Interessen verfolgt und dadurch das Verhältnis zu Born weiter kompliziert.

    Der Thriller hält den Leser auf Trab mit brutalen Morden, die schockierende Details offenbaren, und zeichnet ein Bild der Inszenierung von Macht und Manipulation in Sekten. Ich habe das Gefühl, dass der Autor hier wichtige Themen anspricht, die sowohl spannend als auch nachdenklich stimmen. Trotz kleinerer konstruiert wirkender Elemente kann ich das Buch als Pageturner empfehlen, da es immer wieder zu fesseln vermag und die Charaktere lebendig und nachvollziehbar sind.

    Abschließend teile ich meine Begeisterung für die Figuren und ihre Dynamik. Ich fühle mich bereichert durch die Erlebnisse mit Alexander Born und Carla Diaz und bin gespannt, welche weiteren Geschichten Linus Geschke in Zukunft erzählen wird. „Engelsgrund“ ist ein Buch, das nicht nur spannend ist, sondern auch in anderen Ländern Aufmerksamkeit verdienen könnte. Ich empfehle jedem, einfach in die Geschichte einzutauchen und sich von den fesselnden Charakteren und der packenden Handlung mitreißen zu lassen.

  • LITL773 [Buchrezension] Gefährliche Visionen: Christian Linkers „Toxische Macht“ im Check

    In dieser Episode widme ich mich der Rezension von „Toxische Macht,“ einem fesselnden Buch von Christian Linker. Der Klappentext des Buches vermittelt ein brisantes Porträt unserer Gesellschaft und der aktuellen Zeit. Die Geschichte folgt der 24-jährigen Studentin Coco Frahm, die nach den Monaten des Lockdowns zufällig an die Spitze der neu gegründeten Partei Future gelangt. Coco hat während der Gründungskampagne der Partei spontan ihre visionären Gedanken zur „neuen Langsamkeit“ in die Kamera geäußert, was unerwartet auf großes Interesse in der Bevölkerung stößt. Plötzlich steht sie vor der Möglichkeit, als die jüngste Bundeskanzlerin in die Geschichte einzugehen, während besorgte Bürger bereit sind, sie mit Gewalt zu stoppen.

    Die Erzählung entfaltet sich weiter, als wir Zeugen der komplexen Dynamik zwischen Coco und ihrem Ex-Freund Michael werden. Er soll, auf düstere Weise, den schmutzigen Job übernehmen, um Cocoa auszuschalten. In der Nacht vor der entscheidenden Wahl treffen die beiden aufeinander, und die Spannungen zwischen ihren unterschiedlichen Lebenswegen werden greifbar. Michael, der durch seine Beziehung zu Coco in eine schmerzhafte Isolation getrieben wird, gerät weiter in den Einfluss extremistischer Kreise, während Coco zunehmend als Politiktalent aufblüht und mit ihrer authentischen Art immer mehr Wähler anzieht.

    Die Erzählweise des Buches ist flüssig und klar strukturiert. Mich hat die Reflexion über die eigene Identität und die verführerischen Möglichkeiten, die in der politischen Welt lauern, tief berührt. Cocos Erfolg in der Partei spiegelt das Potenzial innovativer Ideen wider, und die Frage, ob eine Partei wie Future tatsächlich Erfolg haben könnte, durchzieht die gesamte Diskussion.

    Im Laufe der Rezension stelle ich mir auch vor, ob Macht wirklich giftig sein kann und was das für unser Verständnis von Politik und Gesellschaft bedeutet. Diese Fragen laden dazu ein, über den politischen Zirkus nachzudenken – insbesondere darüber, ob die Corona-Pandemie vielleicht auch unerwartete positive Veränderungen mit sich bringen könnte.

    Ich erwäge sogar, „Toxische Macht“ als Schullektüre im Fach Gemeinschaftskunde vorzuschlagen, denn das Buch regt dazu an, tiefere Gespräche über unsere Gesellschaft zu führen. Christian Linker gelingt es, komplizierte Themen für Jugendliche und Erwachsene gleichermaßen fesselnd zu verpacken, und ich empfehle jedem, sich mit diesem Werk auseinanderzusetzen. „Toxische Macht“ ist 2021 im dtv Verlag erschienen und ist für 14,90 Euro erhältlich. Viel Spaß beim Lesen!

  • LITL772 [Buchrezension] Wenn das Netz stirbt – „Influence, Fehler im System“ von Christian Linker

    In dieser Episode bespreche ich das Buch „Influence, Fehler im System“ von Christian Linker, das sich mit der Thematik unserer digitalisierten Welt auseinandersetzt. Die Geschichte entfaltet sich in einem spannenden Thriller-Szenario, in dem das Internet plötzlich zusammenbricht. Amir, der Protagonist, sollte ursprünglich einen entscheidenden Austausch mit dem Netzaktivisten Habakuk haben, um geheime Informationen weiterzugeben, die das Potenzial eines der größten Skandale in der Geschichte des Internets bergen. Doch ein globaler Blackout unterbricht diesen kritischen Moment, und die Suche nach Antworten beginnt.

    Das Buch thematisiert die Auswirkungen auf die Gesellschaft, wenn die digitale Infrastruktur von einem Trojaner angegriffen wird. Der Autor malt ein Bild von Chaos und Verwirrung, in dem Amir sowohl Habakuk als auch die Influencerin Kalliope trifft, die eine Schlüsselrolle in seinem Überleben spielt. Ich reflektiere dabei über Amirs beruflichen Werdegang, der ihn als Praktikant bei der Landtagsabgeordneten Solveig in Berührung mit einem Whistleblower bringt, der entscheidende Informationen über ein Unternehmen namens CAP hat. Diese prekäre Situation zwischen Rausch und Drang nach Wahrheit ist essenziell für die Handlung.

    Die Erzählweise von Christian Linker beeindruckt mich durch ihren flüssigen Stil und die Fähigkeit, tiefgründige philosophische Fragen aufzuwerfen, die nicht nur Jugendliche ansprechen, sondern auch Erwachsene zum Nachdenken anregen. Gleichzeitig bemängle ich das letzte Drittel des Buches, das auf mich den Eindruck macht, als wäre versucht worden, die Geschichte künstlich zu strecken, was sich negativ auf die finale Aussagekraft auswirkt.

    Trotz dieser Kritik halte ich „Influence, Fehler im System“ für eine wichtige Lektüre, die nicht nur die Gefahren der digitalen Welt und den Einfluss von Influencern thematisiert, sondern auch viele Denkanstöße bietet. Das Buch ist aus dem Jahr 2020, hat aber an Aktualität nicht verloren und sollte meiner Meinung nach auch in Schulen behandelt werden.

    Insgesamt zeigt die Episode, wie wir durch Linkers Werk sowohl über die Nutzung des Internets nachdenken als auch die manipulierten Strömungen im Netz erkennen lernen. Die Herausforderungen und moralischen Fragestellungen, die sich aus diesen Themen ergeben, sind relevanter denn je.

  • LITL743 [Podcast] Zwei Schicksale, ein System – Ein Blick auf Frank Goldammers ‚Zwei fremde Leben‘

    In dieser Episode erkunden wir das faszinierende Buch „Zwei fremde Leben“ von Frank Goldammer, das uns in die komplexe und oft düstere Realität der DDR in den 1970er Jahren eintauchen lässt. Die Hauptfigur, Ricarda Raspe, wird zur Protagonistin einer schicksalhaften Geschichte, als sie in einer Dresdner Klinik ein Kind zur Welt bringt, das laut Befunden tot geboren wird. Ricarda kann und will jedoch nicht an den Tod ihres Kindes glauben und vermutet stattdessen eine staatlich angeordnete Kindesentführung, die sie in einen Strudel aus Unsicherheit und Gefahr stürzt.

    Wir folgen Ricardas verzweifelter Suche nach der Wahrheit, während sie gegen die vorherrschenden gesellschaftlichen Normen und die Macht der Stasi kämpft. Ihr Ehemann, der sich auf die Seite ihres Vaters und der offiziellen Version schlägt, steht ihr in dieser Dunkelheit oft im Weg. Der zufällig anwesende Polizist Thomas Rust wird ebenfalls zum Schlüsselspieler in dieser Geschichte, als er über die mysteriösen Vorkommnisse in der Nacht von Ricardas Geburt stolpert.

    Der Erzählstrang wechselt geschickt zwischen Ricardas Geschichte und der von Claudia Belling, einer jungen Frau, die 17 Jahre später nach ihrer eigenen Herkunft sucht und dabei auf die Schatten der Zwangsadoption stößt. Claudia ist die Tochter eines hochrangigen SED-Funktionärs und kämpft ebenfalls gegen das System, als sie versucht, der DDR zu entkommen. Ihre Flucht am Tag des Mauerfalls markiert einen Wendepunkt, der sowohl Hoffnung als auch Tragik in sich trägt.

    Das Buch beleuchtet nicht nur die persönlichen Schicksale der Figuren, sondern auch die Schattenseiten eines autoritären Regimes. Goldammer gelingt es, die erschreckende Macht der Stasi herauszuarbeiten und die emotionale Belastung, die Zwangsadoptionen für Mütter und Kinder bedeuten, eindringlich darzustellen. Ricarda wird immer mehr zum Einsiedler, gefangen in ihrer Suche nach Antworten und dem sehnlichen Wunsch, ihre erste Tochter zu finden, während sie gleichzeitig gegen die Wellen des Lebens und die Hindernisse, die ihr von der Gesellschaft in den Weg gelegt werden, ankämpfen muss.

    Abschließend kann ich sagen, dass „Zwei fremde Leben“ ein fesselnder Page-Turner ist, der sowohl auf emotionaler als auch auf geschichtlicher Ebene berührt. Frank Goldammer schafft es, die komplexe und oft schmerzhafte Geschichte der DDR so zu erzählen, dass sie für jeden Leser verständlich und nachvollziehbar bleibt. Es ist eine eindringliche Erinnerung daran, wie wichtig es ist, für unsere Demokratie und die Rechte von Müttern und Kindern zu kämpfen, um sicherzustellen, dass solche Gräueltaten nie wieder geschehen.