Neujahrskonzert 2026

[Konzert] Ein Neujahrsritual voller Überraschungen: Blech, Bläser und britische Eleganz im Stadttheater Gießen

Es ist wunderschön, bestimmte Rituale zu haben und eines der schönsten Rituale ist das Neujahrskonzert im Stadttheater Gießen. Heike und ich waren früh da, alleine deswegen, weil das Konzert ausverkauft ist, damit man in Ruhe seine Jacke abgeben kann und vielleicht noch mal schnell etwas zu trinken holt.

Man kann einfach entspannt alles auf sich wirken lassen. Eine Einführung gibt es bei dem Neujahrskonzert nicht, da Andreas Schüller durch das Konzert führt und ich kann eines sagen, an ihm ist ein Showmaster verloren gegangen.

Gestartet wurde mit Arthur Sullivan mit der Ouvertüre aus „Grand Duke“ aus dem Jahr 1896. Mir fiel auf, dass diesmal anders wird als sonst. In den letzten Monaten war ich doch sehr holzinstrumentlastig und hatte dies lustiger Weise auch im Gespräch vor dem Konzert schon thematisiert. Schon bei der Ouvertüre war mir klar, diesmal sind die Blechbläser, oder wie man so schön sagt das „Blech“, wirklich sehr schnell sehr präsent.

Copyright: Lena Bils

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Andreas Schüller führte uns dann in der Moderation in das Londoner Westende des 19 Jahrhunderts mit „I am the very Model of a Modern Major-General“ aus „The Pirates of Penzanze“ Er erläuterte, was dort gesungen wird und Clarke Ruth war schon aufgrund der Geschwindigkeit des Textes und der Sprache die erste Wahl. Wer dieses Stück schon mal gehört hat und sich vorstellt, man solle es singen, bekommt einen Knoten ins Hirn. Da ist es egal, ob man nun dies auf Deutsch singt oder, noch schlimmer, auf Englisch. Alleine dieses Stück, war es wert hineinzugehen. Ich musste wirklich anfangen, innerlich zu lachen. Es war einfach schön, diese Mimik von Clarke Ruth zu sehen und zu erleben, dazu die Musiker, die gekonnt in den Hintergrund traten und trotzdem immer präsent waren.

Johann Strauss (Sohn) gab sich dann auch noch mit „Albion Polka“ Op. 102 aus dem Jahr 1851 die Ehre. Die Uraufführung war in der Englischen Botschaft in Wien. Was auch immer geschäftliche Gründe hatte, da man ja auch noch Geld verdienen musste und gerne im Ausland auch mal auf Tournee gehen wollte, um sich und die Kapelle zu ernähren.

Wenn man schon in England ist, dann sollte man vielleicht mal „English Dances“ op. 27 von Malcolm Arnold aus dem Jahr 1951 erleben. Malcolm Arnold war mir vorher noch nie untergekommen und ich fand die „Englisch Dances“ sehr ansprechend.

Dieser Komponist hat mich mit dem zweiten Stück „A Grand, Grand Festival Ouverture“ aus 1956 vollkommen überrascht. Wie sagte Herr Schüller es so schön: „Man könnte meinen es kommt von Trump, da muss auch immer alles besonders groß sein.“ Es ist nicht der Originaltext, aber es kommt dem doch sehr nahe. Das Problem ist, dass man dieses Stück nicht so oft aufführt, da man ganze vier Solisten benötigt. Die Solisten waren heute Gottfried Köll, seines Zeichens 43 Jahre lang die Solo Oboe in Gießen, Peter Sanders, ebenfalls lange Jahre Oboe in Gießen und Wolfgang Plümacher, ehemaliger Bassist in unserem Orchester. Das Highlight war Carol Brown, ihres Zeichens ehemalige Flöte im Orchester. Diese vier gestandenen Musiker haben ein besonderes Soloinstrument gespielt, welches ich nicht erwähnen werde, aber es war ein Highlight, diese vier Musiker so zu erleben. Ich kann versprechen, dass man danach mit einem lachenden Auge in die Pause geht.

Nach der Pause ging es weiter mit Johann Strauss (Sohn) und „Erinnerung an Covent Garden“ Walzer op. 329 (1867) und so kam man richtig beschwingt in den zweiten Teil. Der Bogen zu Frederick Loewe und der Ouvertüre aus „My Fair Lady“ wurde sehr gut gespannt. Gerade jetzt kommt mir der Gedanke, dass man vielleicht ja dieses Musical auch mal nach Gießen holen könnte. Mir hat es zumindest gefallen. Mir gefällt so einiges. Auch Opern kann man in Gießen sehr gut besuchen, nicht nur Neujahrskonzerte und wo wir gerade bei Opern sind, da fällt mir glatt wieder Clarke Ruth ein, der immer wieder sehens- und hörenswert ist.

Da wir ja schon mal in London waren, gab es die englische Version von dem „Flieder Monolog“ des Hans Sachs aus „Die Meistersinger von Nürnberg“ von Richard Wagner. Wer nun Herrn Schüller kennt, weiß er mag Wagner sehr gerne und so auch diesmal. Aber vor allem der Gesang und die Musik waren für mich wirklich wunderschön. Ich konnte es richtig gut genießen.

Danach wurde es mit Edward Elgar und „Pomp and Circumstance No. 4“ und der „Enigma Variationen“ noch mal richtig britisch. Es war wirklich stimmungsvoll und auch passend für diesen Start ins neue Jahr. Die Zugaben werde ich nicht nennen nur so viel, dass man zumindest beim 1. Neujahrskonzert 2026 auf den Radetzky-Marsch umsonst wartete. Dafür gab es z.B. den „Colonel Bogey March“ bekannt aus dem Film „Die Brücke am Kwai“ und ich sage dazu nur so viel: Jeder von uns kennt dieses Lied und kann mitpfeifen.

Heike und ich waren vollkommen fein damit, dass nicht nur Johann Strauss gespielt wurde. Man kann so vieles machen. Klassische Musik spielt bei jedem von uns eine gewisse Rolle, egal ob wir sie nun wissentlich hören oder ob sie uns im Werbefernsehn begegnet. Man kann eine positive Stimmung und ein gutes Gefühl in das Jahr auch mit anderer Musik erzeugen wie in Wien. Ich lasse mich auch 2027 bestimmt wieder überraschen, was mir die Musiker des Philharmonischen Orchesters präsentieren. Denn es ist für mich immer ein besonderer Start ins Jahr, welcher mich neugierig macht auf die neuen Konzerte des Philharmonischen Orchesters. Ich freue mich schon wieder auf Februar, entweder aufs Previewkonzert oder aufs eigentliche Konzert. Ich weiß es noch nicht. Ich hoffe nur, dass wir uns da treffen und wir die Musik gemeinsam genießen.

Copyright: Lena Bils

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