[Kino] Die Tribute von Panem – Sunrise on the Reaping: Als Haymitch noch Hoffnung hatte
Am 19. November 2026 kehrt Panem auf die Kinoleinwand zurück. „Die Tribute von Panem – Sunrise on the Reaping“ blickt dabei zurück, weit vor Katniss Everdeen und den Ereignissen der ersten Filme. Im Mittelpunkt steht ein Mann, den das Publikum bislang als gezeichneten Mentor kennt: Haymitch Abernathy. Der Film erzählt, wer er war, bevor die Spiele ihn zu dem machten, der er später wurde.
Worum es geht
Die Handlung setzt 24 Jahre vor den Ereignissen des ersten Films an. Haymitch lebt in Distrikt 12, gemeinsam mit seiner Mutter und seinem kleinen Bruder. Er ist jung, voller Optimismus und in Lenore Dove Baird verliebt, die zur Familie der Covey gehört, jener Wanderkarawane, die man schon aus „Die Tribute von Panem – The Ballad of Songbirds and Snakes“ kennt. Dann kommt der Tag der Auslosung: Die 50. Hungerspiele sind zugleich das zweite sogenannte Jubel-Jubiläum, und Panem feiert es auf seine Weise. Es werden doppelt so viele Tribute gezogen wie sonst. Haymitchs Name wird aufgerufen. Mit ihm reisen Maysilee Donner, eine Freundin, die fast wie eine Schwester für ihn ist, der Buchmacher Wyatt Callow und dessen Nachbarin Louella McCoy ins Kapitol. Panem ist ein Land, das von Misstrauen und politischer Spannung zerrissen ist, und die Spiele werden erbarmungsloser als je zuvor.
Die Vorlage
Der Film basiert auf Suzanne Collins’ jüngstem Roman. Das englische Original „Sunrise on the Reaping“ erschien am 18. März 2025. Die deutsche Ausgabe heißt „Die Tribute von Panem L. Der Tag bricht an“ und ist im Verlag Friedrich Oetinger erschienen, übersetzt von Sylke Hachmeister und Peter Klöss (464 Seiten, 26 Euro). Das L steht für die römische Zahl 50. Das Buch verkaufte sich in der ersten Woche weltweit über 1,5 Millionen Mal und hatte damit den erfolgreichsten Start der Reihe. Collins nennt David Humes Theorie der „stillschweigenden Unterwerfung“ als Inspiration. Sie fragt, warum viele Menschen sich wenigen unterwerfen, und blickt auf die Macht der Propaganda und auf jene, die das Narrativ kontrollieren. „Die Frage, ob etwas real oder nicht real ist, erscheint mir von Tag zu Tag drängender“, sagt sie. Das Drehbuch schrieben Billy Ray, der schon an „Die Tribute von Panem – The Hunger Games“ mitgewirkt hat, und Michael Lesslie.
Ein junger Haymitch
Die größte Aufgabe stellte sich bei der Besetzung. In den ersten vier Filmen hatte Woody Harrelson die Figur verkörpert. Regisseur Francis Lawrence und Produzentin Nina Jacobson suchten einen Teenager mit emotionaler Intelligenz, der Optimismus und Verletzlichkeit zeigen kann und in dem man doch den späteren Zynismus erahnt. Sie fanden ihn in Joseph Zada, der zum Zeitpunkt der Besetzung 19 Jahre alt war. Bekannt wurde er durch die Serie „Invisible Boys“ und die Amazon-Verfilmung „Solange wir lügen“; zuletzt war er in Netflix’ „East of Eden“ zu sehen. Zada studierte Harrelsons Auftritte in den früheren Filmen, um die Verbindung zwischen beiden Versionen herzustellen. An seiner Seite spielt Whitney Peak („Gossip Girl“) Lenore Dove Baird, Mckenna Grace („Begabt – Die Gleichung eines Lebens“) Maysilee Donner.
Bekannte Gesichter im Kapitol
Zahlreiche Figuren der Reihe sind in jüngeren Versionen zu sehen. Ralph Fiennes („Konklave“) spielt Präsident Coriolanus Snow, dessen Jugend die Fans aus „Songbirds and Snakes“ kennen. Jesse Plemons („Civil War“) ist Plutarch Heavensbee, hier ein Beamter des Kapitols, der heimlich mit dem Widerstand zusammenarbeitet; in den früheren Filmen hatte Philip Seymour Hoffman die Rolle gespielt. Kieran Culkin, Oscar-Preisträger für „A Real Pain“, übernimmt den Moderator Caesar Flickerman von Stanley Tucci, allerdings ohne dessen charakteristisches blaues Haar. Elle Fanning spielt eine junge Effie Trinket, die hier eine Modestudentin ist und ihren Platz in der Welt sucht. Glenn Close verkörpert Drusilla Sickle, die Begleiterin der Tribute aus Distrikt 12, und Billy Porter ihren Ehemann, den Stylisten Magno Stift. Die Mentoren Beetee (Kelvin Harrison Jr.), Wiress (Maya Hawke) und Mags (Lili Taylor) tauchen ebenfalls auf. Beetees Sohn Ampert Latier, gespielt von Percy Daggs IV, wird von Snow als Strafmaßnahme in die Arena geschickt.
Die Siebziger als Stilvorgabe
Die Gestaltung des Films folgt einem klaren Konzept: Die Siebziger Jahre mit ihren Aufbrüchen und dem Widerstand der Jugend inspirierten das Design. Produktionsdesigner Uli Hanisch, der schon für „Songbirds and Snakes“ verantwortlich war, setzte die Arena wie ein Kaleidoskop in Szene, mit Tausenden bunten Blumen, und in ihrem Zentrum steht die Cornucopia. Kostümbildnerin Bina Daigeler orientierte sich bei Effie an der Mode jener Zeit. Make-up-Designerin Natalie MacGowan Spencer ließ sich dafür vom Look der britischen Ikone Twiggy inspirieren. Auch die Studio-54-Ära spielte als Referenz eine Rolle.
Gedreht in Europa
Die Dreharbeiten fanden von Sommer bis Spätherbst 2025 in Spanien und Deutschland statt. Für die Arena fiel die Wahl auf ein abgelegenes Tal in Asturien; die Vorratskammer der Tribute entstand im Valle de Lago. Dort begannen die Dreharbeiten mit einer Sequenz, in der alle 48 Tribute samt Stunt-Doubles mitten in die Wildnis gebracht wurden. In Köln entstanden Szenen auf der Wiese und in Haymitchs Haus sowie Teile der Spiele im Toten Wald. Die Streitwagen-Sequenz wurde im Berliner Olympiastadion gedreht, das Internationale Congress Centrum (ICC) diente als Kulisse des Kapitols, und die Villa von Plutarch Heavensbee entstand im bcc Berlin Congress Centrum. Lawrence nutzte für die Bilder ein erweitertes Bildformat, das im Kino und in IMAX zu sehen sein wird. Die Kamera führte Jo Willems, den Schnitt besorgte Mark Yoshikawa. Die Musik stammt von James Newton Howard, der schon früher für die Reihe komponierte. Das Begleitalbum hat Dave Cobb zusammengestellt und erscheint am 13. November 2026; die erste Single „Draw You Out“ von Noah Kahan ist seit Anfang Oktober veröffentlicht.
Eine Reihe mit Geschichte
Mit „Sunrise on the Reaping“ setzt Francis Lawrence eine Arbeit fort, die vor über einem Jahrzehnt begann. Er inszenierte „Catching Fire“, beide Teile von „Mockingjay“ und 2023 „The Ballad of Songbirds and Snakes“. Das Franchise hat laut Verleih weltweit über drei Milliarden US-Dollar eingespielt, Collins’ Romane haben sich über 100 Millionen Mal verkauft. Der neue Film dauert 158 Minuten und kommt in Deutschland bei Leonine Distribution ins Kino.
Wer das nachlesen möchte
Wer vor dem Kinobesuch noch einmal in Panem eintauchen will, findet den Stoff im Roman, den Oetinger auch als E-Book und Hörbuch anbietet. Und wer Haymitch bisher nur als den Mann kannte, der in den späteren Filmen müde und bitter wirkt, kann am 19. November erfahren, wie er einmal war: ein junger Mensch, der nur den Tag überstehen und bei dem Mädchen sein wollte, das er liebt.
Joseph Zada as Haymitch Abernathy and Elle Fanning as Effie Trinket in The Hunger Games: Sunrise on the Reaping. Photo Credit: Murray Close/Lionsgate
Joseph Zada as Haymitch Abernathy and Elle Fanning as Effie Trinket in The Hunger Games: Sunrise on the Reaping. Photo Credit: Murray Close/Lionsgate