Ins fahle Herz des Sommers

[Rezension] Ins fahle Herz des Sommers – Andreas Eschbach

Warum dieser Roman mir Angst gemacht hat – und mich nicht losließ

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Was, wenn die Zukunft längst begonnen hat – nur ohne uns? Seit Jahren brennt die Sonne erbarmungslos vom Himmel. Die Hitze ist unerträglich, der Süden unbewohnbar, der Staat nur noch Fassade. Wer es sich leisten konnte, ist rechtzeitig nach Nordschottland, Grönland, Kanada oder Sibirien gezogen. Nur wenige Menschen sind in ihrer Heimat geblieben. Fausto ist einer von ihnen. In einem weitgehend aufgegebenen Dorf kämpfen er und einige wenige Nachbarn ums Überleben. Der Alltag ist hart und wenig abwechslungsreich. Bis eines Tages eine schöne, schweigsame junge Frau auftaucht, der die Hitze beneidenswert wenig auszumachen scheint. Fausto verliebt sich und schöpft Hoffnung. Er ahnt nicht, welch unerhörtes Geheimnis mit Valérie verbunden ist … Ein eindringlicher Roman um ein hochaktuelles Thema und ein beklemmendes Gedankenexperiment

Draußen wird es langsam wärmer und ich lese Andreas Eschbachs Ins fahle Herz des Sommers. Die Handlung spielt in einer nicht allzu fernen Zukunft: Der Klimawandel ist weit fortgeschritten. Es ist so heiß, dass man kaum noch Tiere hört — man fragt sich, ob es überhaupt noch Fliegen in der Umwelt gibt.

Zuvor hat eine Epidemie fast alle Menschen ausgelöscht. Als Fausto zurückblickt, erinnert es ihn an die Pest vor fast 700 Jahren: Die Toten stapeln sich, man kommt mit dem Verbrennen nicht mehr nach, nur wenige überleben.

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Ich begleite Fausto in sein Dorf, in dem noch der Pfarrer, Madame Mareveaux und die Bauernfamilie Braque leben. Die Braques wohnen etwas außerhalb, meiden die anderen und leben für sich. Zu Madame Mareveaux und dem Pfarrer pflegt Fausto, soweit man sagen kann, ein gutes Verhältnis. Nachts fährt er mit dem Rad in verlassene Dörfer und findet dort immer wieder brauchbare Nahrungsmittel und andere Dinge.

Die Hitze durchdringt alles — das kennen wir in den letzten Jahren: wenn sie sich tagelang in den Gassen und Wohnungen staut und es nachts keine Abkühlung mehr gibt. Das ist zermürbend, es zehrt an den Nerven, und beim Lesen hatte ich das Gefühl, mit jeder Seite werde es noch heißer.

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Man sieht, wie Madame Mareveaux an ihre Tochter denkt, die in den Norden, nach Sibirien, gezogen ist und dort laut einer zehn Jahre alten Postkarte glücklich lebt. Das Postnetz ist zusammengebrochen genauso wie Telefon-, Energie- und Wasserversorgung. Da fragt man sich, warum Fausto nicht ebenfalls nach Grönland oder Kanada ausgewandert ist.

Etwas verändert sich, als Valerie ins Dorf zieht und ins Nachbarhaus einzieht. Fausto verliebt sich in diese Frau mit ihrer besonderen Ausstrahlung und schützt sie vor den Braques, die sie für sich beanspruchen wollen. Valerie ist anders: Sie bleibt kühl, schwitzt nicht und ernährt sich von den überall wachsenden Kakteen. Gerade dieses Anderssein zieht Fausto magisch an, und so führen die beiden eine innige Beziehung, in der sie einander schützen und stützen. Später ziehen noch andere Menschen ins Dorf — ähnlich wie Valerie — doch sie haben keinen Kontakt zu ihr und begegnen eher Fausto. Valerie wird von Fausto schwanger, verliert das Kind jedoch.

Alles ist schwer auszuhalten, und was mir Angst machte, war das Gefühl, dass dieses Szenario wirklich möglich sein könnte. Dass dies ein Zukunftsszenario ist, beunruhigt mich: In vielen Regionen Europas wird es bereits wärmer, Wasser wird knapper, die Welt wirkt zunehmend unwirklich, Insekten und Tiere werden weniger.

Man erkennt wie schnell auch wir zu Flüchtlingen werden könnten — Franzosen, Deutsche oder andere Europäer, die in den Norden drängen. Flüchtlinge werden nicht aufgenommen; kommt Ihnen das nicht bekannt vor? Boote werden nicht in Häfen eingelassen, Menschen werden in kleinen Zimmern „gehalten“ — das kennen wir schon aus der Gegenwart. Für mich war die Dystopie ein Appell an die Menschlichkeit in einem Europa, das nur noch aus trockener, unfruchtbarer Erde besteht, ohne Wasser.

Was Valerie ist und woher sie kommt, bleibt offen. Für mich waren die 232 Seiten immer wieder Anlass zum Nachdenken — vielleicht auch für Sie. Vielleicht schaffen wir es noch, die Welt besser zu machen. Besser heißt nicht, alles zurückzudrehen; das geht nicht mehr. Wir können nur verhindern, dass wir ins fahle Herz des Sommers laufen — denn das könnte wirklich heiß werden.

Ins fahle Herz des Sommers

Titel: Ins fahle Herz des Sommers

Autor/In: Eschbach, Andreas
ISBN: 978-3-7577-0200-7
Altersempfehlung: ab 16 Jahre
Verlag: Bastei Lübbe
Preis: 22,00 €
Erscheinungsdatum: 27. April 2026

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Warum dieser Roman mir Angst gemacht hat – und mich nicht losließ

Draußen wird es langsam wärmer und ich lese Andreas Eschbachs Ins fahle Herz des Sommers. Die Handlung spielt in einer nicht allzu fernen Zukunft: Der Klimawandel ist weit fortgeschritten. Es ist so heiß, dass man kaum noch Tiere hört — man fragt sich, ob es überhaupt noch Fliegen in der Umwelt gibt.

URL: https://literaturlounge.eu/?p=33406

Autor: LiteraturLounge

Name: Ins fahle Herz des Sommers

Autor: Andreas Eschbach

ISBN: 978-3-7577-0200-7

Veröffentlichungsdatum: 2026-04-27

Format: https://schema.org/Hardcover

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